SOKO Favoriten

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SOKO Favoriten | story.one

Manche Wiener Bezirke sind als "Problembezirke" weithin bekannt. In so einem wohne ich und ich gebe zu, anfangs war ich nicht unbedingt stolz auf den Umzug vom beschaulichen Liesing nach Favuuritn. Habe immer dazugesagt "eh am schönen Stadtrand" zu residieren und nicht im verschrieenen Innerfavoriten. Tatsächlich gibt es Unterschiede, schon allein was die Bewohnerdichte angeht, und natürlich die grüne, ländliche Umgebung. Ich liebe mein "Dorf mit Ubahn". Aber auch hier in der Idylle passiert schon mal was. Gerade erst wurde in unserer Anlage wieder eingebrochen und angeblich treiben sich gewalttätige Jugendbanden herum, die Jüngeren ihre Handys und ihr Taschengeld abluchsen. Ich versuche, solche Vorfälle immer möglichst unaufgeregt mit meinen Kindern zu besprechen, denn es ist ein schmaler Grat, ob man sie damit einfach wachsam macht oder ihnen unnötig Angst einjagt. Unser Wien ist an sich eine sehr sichere Großstadt und ich möchte, dass meine Kinder sich einfach aufmerksam, aber angstfrei IHRE Stadt erobern-Favuuritn hin oder her. In meinem Großen, der schon ein paar Wege alleine meistert und auch schon mal untertags kurz alleine zu Hause ist, arbeiten solche Informationen aber meist lange. Wenn ich sehe, dass die Plastikpistole aus dem Micky-Maus- Heftl im Vorzimmer liegt, weiß ich, er hat sich mal wieder für den Fall vorbereitet, dass ihn jemand stehlen will. Vielleicht haben wir aber auch nur einmal zu oft "Kevin allein zu Haus" angeschaut? Oder er hat wieder heimlich HEUTE oder ÖSTERREICH gelesen. "Mama, ich glaube meinem Freund dem Hasan ist was passiert." kommt er kürzlich aufgeregt zu mir. Ich beruhige ihn und frage nach. "Wir haben gerade telefoniert und er sagt auf alles, was ich ihn frage nur 'Ja' und hat so eine komische Stimme." Aha. "Ok, und was hast du ihn denn gefragt?", will ich wissen. "Na zum Beispiel, ob bei ihm Räuber sind. Und ob er entführt wurde. Und ob ich die Polizei rufen soll". "Na servas", denke ich bei mir und schlage vor, Hasan gemeinsam anzurufen. "Aber anonym und vom Festnetz, damit wir nicht geortet und als nächstes entführt werden." Dieses Kind ist auf alles vorbereitet. Nun gut, noch während ich wähle, am Festnetztelefon, fällt mir etwas ein. "Sag einmal? Dieser Hasan, ist das der mit dem kleinen Bruder?" "Jaaaa?" Aha. "Der kleine Bruder, der immer mit seinem Handy spielt?" frage ich weiter und sehe an seinem Gesicht, wie es dem Kind dämmert, worauf ich hinaus will. Bevor es antworten kann , hören wir ein leises "Jaaa?" Stille. "Hallo, bist du Hasan?", frage ich schließlich."Jaaa",sagt eine glockenhelle Stimme, geschätzte 3 Jahre alt. Eindeutig gelogen. "Kannst Du Hasan bitte holen?" frage ich also weiter. ""Jaaa", sagt die Stimme, aber nichts passiert. Nach einem weiteren "Jaaa"auf meine Frage, ob alles ok wäre, erkläre ich den Fall für gelöst. Und mein Sohn lernt eine wichtige Lektion fürs Leben: Manchmal kommt es darauf an, einfach die richtigen Fragen zu stellen.

© Philippba