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#1sommer1buch

Winterreise nach Moskau

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Winterreise nach Moskau | story.one

Kurz vor der Matura, fuhr die Russisch-Gruppe unserer Klasse mit dem Zug nach Russland, damals noch UdSSR! Die Österr.-Russ. Reisegesellschaft hatte einen Sonderzug für österreichische Schüler, begleitet von Russisch-Professoren als Reiseleitung, organisiert.

Am späten Abend fuhren wir ab Wien in Richtung (damals noch) Tschechoslowakei, und weiter zur russischen Grenze, die wir am Nachmittag des nächsten Tages erreichten. Hier wurden die Räder der Waggons getauscht, weil in Russland die Schienen einen breiteren Abstand haben, was einen längeren Halt beanspruchte.

Etwa um Mitternacht kamen wir an den Grenzübergang zu Tschop in der Ukraine. Man kann sich das heute kaum vorstellen, wie hier damals eine Grenzkontrolle vor sich ging. Russische Grenzsoldaten stellten sich jeweils zu zweit an jede Waggontür, Maschinengewehr im Anschlag, versteht sich! Draußen wurden die Waggons angehoben, um die Räder zu tauschen, drinnen wurden die Passagiere "gefilzt". Wir mussten unsere Koffer öffnen, das Handgepäck wurde kontrolliert, Reisepass und Visum überprüft. Es war alles sehr aufregend, bis die Situation ein paar Abteile weiter zu eskalieren drohte! Ein Mädchen aus einem St. Pöltner Gymnasium hatte eine Ausgabe des "Profil" dabei, welches am Titelblatt eine Karikatur Breschnews zeigte! Ups! Mehr brauchte es nicht. Sie wurde - flankiert von 2 schwer bewaffneten Soldaten - aus dem Zug gebracht, um im Büro der Grenzpolizei verhört zu werden! Zu ihrer Unterstützung wurde sie von einem Professor begleitet, was sie - und schließlich uns alle gerettet hat. Dieser Mann sprach perfektes Russisch, und er war ein genialer Diplomat! So durfte die junge Dame (nervlich am Ende) nach zähen, stundenlangen (!) Gesprächen wieder in den Zug steigen, und wir alle unsere Reise fortsetzen.

Inzwischen war es fast 04.00 geworden, und wir wurden zum Frühstück in den Speisewagen gebeten! Stärkung hatten wir mehr als nötig! Mit 10 Stunden Verspätung erreichten wir am Nachmittag Kiew. Man bereitete uns einen sehr herzlichen Empfang mit Musik am Bahnhof, eine Polizeieskorte begleitete unsere Stadtrundfahrt. Es gab ein vorzügliches Abendessen, und danach fand ein Treffen mit jungen Ukrainern statt - mit Musik und Tanz. Sehr spät am Abend setzten wir die Fahrt nach Moskau fort.

Dort erwartete uns am nächsten Vormittag ein ähnlich herzlicher Empfang am Bahnhof. Wir checkten in unserem (erstklassigen) Hotel ein, wir waren angekommen! Es war Winter in Moskau. Die -20° fühlten sich gar nicht so kalt an, die Sonne strahlte vom blauen Himmel - ein Megaprogramm lag vor uns, wir waren sehr gespannt auf die nächsten Tage.

Kurz zusammen gefasst: Moskau hat wunderschöne Sehenswürdigkeiten zu bieten. Damals wie heute bezaubern Zwiebeltürme in Gold, bunte Fassaden und märchenhafte Architektur. Der russische Winter zeigte sich uns von seiner schönsten Seite, und bleibt unvergesslich.

© PoeSy 2020-07-27

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