Tot die 1.

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Tot die 1. | story.one

der Tod ist immer dann ein Thema, wenn es gerade nicht zu passen scheint, aber wann passt er uns schon. Mit jungen 13 Jahren begegnet einem das Sterben der anderen mit Ungewissheit und wenn es dir keiner zeigt, kannst du damit auch nicht umgehen. Ich erinnere mich noch sehr gut als ich meinen Vater nach der Schule des öfteren im Krankenhaus besuchte, der Krebs hat ihm schon zugesetzt und unsere Wortwechsel beschränkten sich auf Floskeln über Schule und Wetter. Mit war nicht bewusst was es heisst mit wenig über 50 Jahren zu wissen, dass man sterben wird. Einen Hof, eine Frau und 5 Kinder zurückzulassen, zu wissen, dass diese vielen Leben und Geschichten bald ohne einen auskommen werden. Die Geschichte eines ganz jungen Mannes der zum ersten mal im Leben diesen Schmerz fühlen musste, dieser Schmerz der auf die Augen und Ohren drückt, der von innen auf den ganzen Körper drückt und man weiss einfach nicht wohin mit ihm, diese Geschichte bleibt ihm erspart.

Als ich am Grab meins Vaters stand, meine Mutter und Geschwister um mich herum war ich mir meines Lebens das erste mal richtig bewusst. Ich fühle die Realität, ich fühle mich, ich fühle das Leben und ich fühlte, dass es enden kann. Meine Füße taten mir weh vom langen stehen und warten auf den einen Moment in dem der Sarg unter die Erde geseilt wird. Hier ist es zu Ende, hier beginnt dieser Schmerz, hier beginnt er mich zu überrollen, unkontrolliert strömt er aus mir. Dieser eine Schmerz, der Überschmerz! Ich habe geweint und geweint. Meine nächste Erinnerung ist, eine der traurigsten in meinem Leben. Ich weinte meine letzten schmerzen aus mir heraus und versuchte mit allem was gerade geschah klarzukommen, da kam meine Mutter von der Seite an mich heran und nahm mich fest am Oberarm und ermahne mich, mit etwas zorniger stimme, endlich aufzuhören mit meinem Geplärre (her jetzt amoi auf zum pläschn). Danke an dieser stelle, hat wirklich geholfen. Aber nur den Arm wieder zu spüren... Und es hat geholfen zu verstehen, dass ich wohl selbst einen Weg finden muss um den tot der anderen verkraften zu lernen. Bis heute tut es weh aber ich kenne ihn, diesen Schmerz, ich kenne ihn gut, ich weiss wie er ist. Ich habe ihn bewusst erlebt, ich habe ihn gefühlt und zugelassen - so ticken wir - umso besser wir etwas kennen umso einfacher erscheint es uns - auch bei diesem Thema... Übung macht... heute bin ich Erwachsen und spüre ihn noch in mir, heute erinnert er mich und hält mich wach, mein Schmerz... und wenn er wieder kommt?

© Pseudonymo 11.06.2019