Wen(n) die Götter lieben,...

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Wen(n) die Götter lieben,... | story.one

Unlängst habe ich die Götter besucht, die wilden. Dort, wo sie sich noch immer herumtreiben, die alten. In Athen. Am Hügel über der Stadt. Und am Hügel ganz im Süden. Da hab ich mit Athene, der Weisen palavert. Dort hab ich mit Poseidon in der untergehenden Sonne einen wilden Ritt über Wellen und Täler hingelegt.

Dann hab ich mich den Philosophen gewidmet. Bin gedanklich im Kreis gelaufen und letztlich doch wieder bei den Göttern gelandet: Apollo hat mir seine Aufwartung gemacht. Der, der gern mit dem Nabel der Welt in Verbindung gebracht wird und dessen Heiligtümer mit massenhaft Lorber umgeben sind.

Vom Stirnkranz- und Küchenkraut gelockt, tauschte ich mich auch noch mit Apollon Sohn, Asklepios aus, der in unseren Breiten besser als Äskulap - Namensgeber der Natter, die Apotheken und Arztpraxen ziert - bekannt ist. Er meinte bei unserem Date im Theater von Epidaurus, Ouzo sei schon ganz in Ordnung als Hustensaft und Lebenselixier. Auch das griechische Joghurt hat er mir sehr ans Herz gelegt, mir jedoch nicht verraten, warum das Zeug problemlos auf eine Gabel aufgespießt und in die Luft gehoben werden kann.

Und dann. Ja dann war da noch der Ikarus, der mich an mein kleines Spiel mit dem Feuer erinnerte. Quasi ungespitzt rammt sich der Gute in den Denkmal-Sockel; Autsch, denke ich mir und greif mir auf den vom Hotelpolster schmerzenden Nacken. Nein, ich würde mir weder Flügel noch Finger verbrennen, versprach ich mir.

Und doch trat ein Schmelzeffekt ein. Kurz aber intensiv. Beinah schmerzlos. Es war kein Gott. Auch kein Götterbote. Nichtmal ein Engel. Es war ein kleiner faszinierender Augenblick und eine nicht ganz ungewollte Unachtsamkeit, die mich einer vermeintlichen Wärme aussetzten, die ich so schon lange nicht in mir gefühlt habe.

Ein Bild, ein Blick, ein paar Worte - bedeutungslos und doch direkt. Ein Dichter, eine Malerin, ein Stadtspaziergang, ein Glas Wein. Zimtkaugummi. Ein Sein unter Vielen, Nähe im weit offenen Raum. Nachtruhe. Marktbesuch. Laufschritt. Überblick, Lachen, viel Lachen, Distanz und ein Kurzbesuch am Olymp zum Frühstück mit den Göttern.

Außerdem Gespräche-in Gedanken versunken-mit berührendem Ende.

Gebracht hat der Zauber Erkenntnisse über Götter, die Welt und vor allem über mich. ich mag die weise Athene und den wilden Poseidon - beide wirbeln sie in mir; jeder auf seine eigene Weise - mal in heldenhafter Nacktheit, mal züchtig bedeckt binden sie mich ein in den Reigen.

Flüchtig gezeichnet zeigt sich ein zartes Bild, das schon verblasst während die Farbe noch trocknet. Die Tusche rinnt mir aus den Fingern - und erinnert mich in diesem Fluss an alte Träume, Sehnsüchte und Wünsche. Und während die Farbe trocknet wird mir klar, dass es das alles nicht gibt in der Welt, in der die Götter keinen Stand mehr haben, keine Mitsprache, keinen Einfluss.

Hier wirkt das Stumpfe, das Selbstverständliche, das Nebenher, nur selten blitzt das Besondere hervor. Meistens duftet es dann ringsumher nach Zimt.

© Quantenspringerin 14.02.2020