Reise mit drei Kakaobäuerinnen

Erwartungsvoll setzten sich die vier Damen auf eine Holzbank an der Wand und schilderten Doktor Pancho der Reihe nach, wofür sie Hilfe brauchten. Die Gringa, nennen wir sie Gringrid, bot ihr aufgeschürftes Knie zur Heilung an, um auch am heilenden Dampfbad teilnehmen zu dürfen.

Nach dem Patienten-Erstgespräch ging Don Pancho zur diagnostischen Untersuchung über. Zunächst einmal brauchte er eine Uhr. Laura und Gringrid waren die Einzigen, die eine Armbanduhr trugen. Pancho entschied sich für Gringrids Uhr, mit der Bemerkung "die sieht cooler aus" und lieh sie sich für die Dauer der Untersuchungen aus.

Magdalena war als Erste an der Reihe. Gringrid beobachtete verblüfft, wie Pancho fachkundig auf die Uhr blickte, während er Magdalenas Puls maß, denn die Uhr hatte keine Sekundenzeiger. "Das Blut ist ziemlich dickflüssig" konstatierte Pancho, "es stockt. Aber mit diesem Tee aus Waldknoblauch wird sich alles bessern. Trinken Sie zur Reinigung jede Woche eine Tasse Tee von drei Knoblauchblättern."

"Und das schadet nicht meinem Cholesterin?" fragte Magdalena besorgt. - "Ganz im Gegenteil!" beruhigte sie Pancho.

Die Pulsmessung wiederholte sich bei Rosario. "Ihr Puls ist zu schnell, das kann von dem Aufstieg hierher kommen. Aber der Tee wird Ihnen Erleichterung verschaffen."

"Aber ich habe gar keine Probleme mit dem Puls, nur mit den Gallensteinen…" - "Genau dafür ist der Tee!", war selbst Pancho über diesen Zufall erstaunt.

Lauras Puls interessierte Pancho nicht; vielmehr schaute er ihr forschend ins Gesicht (mit Kontrollblick auf die Armbanduhr): "Ihr Gesicht ist geschwollen, vermutlich wegen einer Gastritis. Trinken Sie keinen Zitronensaft und kein Coca Cola.". Laura war etwas enttäuscht, dass sie ohne Tee davonkam: "Mein Sohn hat Harnwegsprobleme, und niemand kann ihm helfen." Bevor Gringrid mit sich selbst wetten konnte, dass der Tee hier helfen würde, rief Pancho erfreut: "Dieser Tee ist genau das richtige Heilmittel!".

Inzwischen hatte Panchos Frau Carmen das Dampfbad vorbereitet. Ein riesiger Kessel mit Heilkräutern und siedendem Wasser wurde auf den Fußboden gestellt, Carmen und ihre Tochter holten Decken, und Pancho befahl den Damen die Kleider abzulegen und unter die leicht kratzige Decke zu schlüpfen. Um die Wirkung des Dampfes zu erhöhen, nahmen sie immer mehr den Deckel des Kessels ab und rührten mit großen Holzstäben in der kochendheißen Kräuterbrühe.

Die Gringa verließ als erste die Dampfhöhle. Einerseits schrieb sie das beginnende Kribbeln am Rücken nicht nur dem Dampf und der kratzigen Decke zu, sondern auch dem höchstwahrscheinlich in den Decken lebenden Getier.

Gringrids Kniewunde wurde mit Sangre de Dragon (Drachenblut), einem roten dünnflüssigen Baumharz, beträufelt, die Flüssigkeit mit einer Vogelfeder sanft verteilt. Und die Ungläubige musste dem Doktor Abbitte tun, als sie am nächsten Morgen feststellte, dass Eiterung und Schwellung über Nacht verschwunden waren!

© Radnomadin