Amors Pfeil

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13. Juni 1985. Dieser Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Ich war als Schauspieler für die Nestroy-Sommerspiele auf Burg Liechtenstein engagiert.

Kurz vor Beginn der Probe teilte uns die Regisseurin Elfriede Ott mit, dass heute die Kostümbildnerin vorbeikommen wird, um sich die Darsteller anzusehen, doch sie wird sich etwas verspäten, da sie gerade heiratet.

Wir probten gerade eine Szene, ich war der jugendliche Liebhaber Heinrich Schüchterl, als die Tür aufging und eine Frau mit einem kleinen Buben eintrat. Sie trug ein weinrotes Kleid und sah hinreißend aus. Wir schauten einander an und sie dachte sich: "Scheisse, ich hab grad geheiratet". Ich stand einfach nur da und drehte den Hut in meinen Händen.

Die Wochen vergingen. Die Proben liefen gut, mir machte die Arbeit großen Spaß. Eva und ich verbrachten einige Zeit miteinander. Zuerst nur beruflich. Sie besorgte für mich einen Anzug und nähte mir ein sehr lustiges, buntes Gilet.

Nach einer Hauptprobe in Maria Enzersdorf wollte das Ensemble noch was trinken gehen. Doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund blieben nur Eva und ich übrig. Die anderen waren schon weg. Was machen wir jetzt? Ich hatte die Idee, auf einen Drink in die Regenwurm-Bar in der Singerstraße zu gehen.

Also gut. Während der Heimfahrt knisterte es schon ziemlich. In der Bar kamen wir einander dann näher.

Es war nicht mehr aufzuhalten. Kurze Zeit später verließ Eva ihren Mann, was in ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis ein mittleres Erdbeben verursachte.

"Wie kannst Du Deinen Mann verlassen, um mit einem jüngeren Mann zusammenzuziehen, noch dazu mit einem Schauspieler! Halt ihn Dir doch als Liebhaber und schau, wie sich das Ganze entwickelt! Was ist, wenn er Dich nach drei Wochen verläßt"?

Ja,ja, diese gutgemeinten Ratschläge, die wir jedoch nicht befolgten.

Dann lernte ich Pierre, ihren sechsjährigen Sohn näher kennen. Bei einem gemeinsamen Ausflug nahm er Eva beiseite und flüsterte ihr zu: "Warum ist der Ralph nicht mein Papa"?

Wir zogen zusammen und ein Jahr später kam Oliver auf die Welt.

Und heute, nach 34 gemeinsamen Jahren, sind wir immer noch so verliebt wie am ersten Tag.

© Ralph Saml