Hilfe, Feuerwehr!

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Hilfe, Feuerwehr! | story.one

Im alten Ateliertheater an der linken Wienzeile spielte ich einen stotternden Feuerwehrmann.

Nach der Vorstellung musste ich dringend aufs Klo. Als ich fertig war und rausgehen wollte, war die Verbindungstür zum Foyer zugesperrt. Zuerst dachte ich an einen Streich, den mir Kollegen gespielt hatten, doch nach ein paar Minuten des Rufens und Pumperns wurde mir klar, ich wurde im Theater vergessen. Diese Erkenntnis löste bei mir einen mittleren Panikanfall aus, denn damals gab es noch keine Handys.

Was tun? Im Toilettenbereich bis zum nächsten Abend ausharren? Grauenhafte Vorstellung. Außerdem würde sich Eva große Sorgen machen. Nein, ich musste hier raus!

Mit roher Gewalt gelang es mir, die Verbindungstür aufzubrechen. Doch damit war es nicht getan. Das Theater war ja verschlossen. Ah das Telefon in der Kassa. Super! Ich drückte die Plexiglasscheibe ein, doch dreimal dürft ihr raten: das Telefon war ausgeschaltet. Wunderbar.

Meine Verzweiflung wurde größer. Das Theater hatte eine Eingangstüre aus Glas, davor war ein Scherengitter. Ich presste mein Gesicht an die Scheibe und versuchte, wild gestikulierend, Passanten auf mich aufmerksam zu machen.

Nach ein paar Minuten blieb ein junger Mann stehen. Mit lauter Stimme schilderte ich ihm mein Dilemma und brüllte ihm meine Festnetznummer entgegen.

Meine Frau versuchte zuerst den Theaterdirektor und den Regisseur zu erreichen, ohne Erfolg. Dann wurde es ihr zu bunt und sie rief die Feuerwehr an. Oliver war sehr begeistert, als ein großes, rotes Feuerwehrauto angebraust kam und den Papa befreite.

Als ich mich dann beim Einsatzleiter bedankte, und ihm sagte, welche Rolle ich heute Abend gespielt hatte, konnte er sich vor Lachen kaum halten.

Ich habe übrigens nie wieder in diesem Theater gespielt.

© Ralph Saml