Traumberuf

Als Kind wollte ich zuerst Koch, dann Arzt werden. Doch nach 5 Jahren Gymnasium war für mich klar, nein, keine Schule mehr.

Doch welchen Beruf sollte ich wählen? Ich hatte keine Ahnung. Also ging ich zum Arbeitsamt und ließ ich mich von einer netten Dame beraten. Die zählte mir verschiedene Möglichkeiten auf, Versicherungskaufmann, Buchhalter oder Bankangestellter. Buchhalter? Hey, das wär doch was für mich. Damals glaubte ich, dass dieser Beruf etwas mit Büchern zu tun hätte, und da ich sehr gerne las, sagte ich ja, ich werde mich vorstellen.

So wurde ich Praktikant bei einem Steuerberater. Doch was soll sich sagen? Erfüllung fand ich hier nicht. Ich wurde sehr schnell in das typische Radl der Menschen hineingeworfen, die einen unliebsamen Beruf gewählt haben:

Montag-Depressionstag, Dienstag-Gewöhnungstag, Mittwoch-hey, da ist ja ein Licht irgendwo, Donnerstag-wunderbar, die gute Laune steigt, Freitag-yeah, ich könnte die ganze Welt umarmen, Samstag-high life, doch wenn der Tag die übergroßen Erwartungen nicht erfüllt hat, beginnende Depression, Sonntag-ein nichts mit sich anzufangen Tag und der drohende Montag.

Doch ich möchte an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen: Was ich mochte, war der Umgang mit Zahlen und das Soll und Haben System. Das ist genial. Es muss sich immer auf 0 ausgehen. Wenn irgendwo was übrigbleibt, hat man bei der Buchung einen Fehler gemacht. Und es machte mir wirklich großen Spaß, die Fehlerquelle ausfindig zu machen.

Dann kam dieser bewußte Freitag. Ich war auf dem Weg ins Büro und fuhr mit der Straßenbahn 25 gerade über die Reichsbrücke. Ich las in der Kurierbeilage einen Artikel über eine Schauspielerin. Ich weiß nicht mehr, wer es war, doch plötzlich, aus heiterem Himmel durchfuhr es mich. Es ist unmöglich, das Gefühl oder besser, den Zustand zu beschreiben, der mich unvermittelt überkam. Wenn "Erleuchtung" nicht zu kitschig klingen würde, käme dieses Wort meinem Gefühlszustand am nächsten.

Ich wußte von diesem Moment an, was ich in Zukunft machen wollte: Ich wollte Schauspieler werden.

Danach war mein Leben nicht mehr dasselbe: Ich recherchierte wochenlang und meldete mich schließlich in der Schauspielschule Krauß an.

Meine Mutter, meine Großmutter und Freunde waren entsetzt. "Was, du willst Schauspieler werden? Das ist doch kein Beruf! Bleib Buchhalter, da bist du auf der sicheren Seite".

Doch ich ließ mich nicht beirren und verfolgte konsequent mein Ziel. Und heute, nach 40 Jahren, spüre ich immer noch diese Leidenschaft und dieses Feuer.

© Ralph Saml