Holzingers Albtraum

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Holzingers Albtraum | story.one

Fleißige Leut sind die Waldviertler schon immer gewesen. Besonders karg war der Boden, daher waren die Erträge auch gering. Jeder wollte, wie überall, mehr haben und erreichen und so waren viele Bauern gezwungen auch auswärts zu arbeiten. Die Doppelarbeitsfleißbauern gingen an ihre Grenzen, jahrein und jahraus. Die Bäuerinnen schufteten daheim im Stall, im Haus und auf den Feldern. Die Kinder wuchsen nebenbei im Stall und auf den Feldern auf. Manche Bauern arbeiteten neben der schweren Arbeit am Hof und am Feld auch noch in Linz bei der VOEST.

Um 5 Uhr früh war Abfahrt bei der Bushaltestelle. Tagein und tagaus fuhren die Arbeiter nach Linz und am Abend wieder mit dem Bus nach Hause. Eines morgens passierte es, dass die Bauersleute verschlafen hatten. Der Holzingerbauer schrie seine Frau an: " Schnell, aufstehen, wir müssen dem Bus nachfahren, brauchst dich nicht anziehen! Komm, beeile dich,damit wir den Bus einholen!"

Er war schnell angezogen. Die Bäuerin zog eine Weste über das Nachthemd an und schlüpfte in die Schlapfen. So stiegen sie ins Auto und fuhren los. Der Bus war schon uneinholbar. Zuerst dachten die beiden noch, dass sie ihn einholen in Groß Gerungs, dann in Langschlag, dann in Karlstift und schließlich hofften sie in Freistadt das Objekt ihrer Begierde zu erreichen. Angekommen in den Orten merkten die beiden,dass der VOEST-Bus wieder schneller als sie waren und schon abgefahren war.

Was blieb den Holzingers übrig, als aufs Gas zu steigen und dem Bus weiter nachzujagen. Es gelang ihnen nie den Bus einzuholen und so begab es sich, dass die beiden in Linz landeten. Dort stieg der Bauer aus und sagte zu seiner Frau:" Fahr schnell heim!"

Die Holzingerin merkte,dass der Tank schon fast leer war und fuhr zur nächsten Tankstelle. Dort wollte sie tanken, wohlgemerkt im Nachthemd und Geld hatte sie auch keines dabei!

Was dann geschah, war ein einziger Albtraum. Der Tankwart glaubte eine Verrückte zu sehen und rief die Polizei. Die Bäuerin hatte furchtbare Angst, schrie und wehrte sich. Am Ende landete sie in der Psychiatrie und kam nicht mehr nach Hause. 100 Kilometer weit weg von ihrem Stall und den Kindern. Ein Glück, dass es noch die Altbauern gab, die die Kinder und die Tiere versorgten.

Als der Mann am Abend von der Arbeit wieder daheim angekommen war, war seine Frau noch immer nicht da. Sprachlos und geschockt war er und konnte es nicht fassen, bis der Vorfall geklärt war und seine Frau wieder aus der Psychiatrie entlassen wurde und heim kam.

Lange Zeit waren die Holzingers das Gespött in der ganzen Gemeinde.

© ranunkel