Wandel der Esskultur

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Wandel der Esskultur | story.one

Früher war das Essen eine Nahrungsaufnahme zum Überleben. Kraft brauchten die Bauern für ihre schwere Arbeit, daher mussten sie genug Kalorien zu sich nehmen. Oft war gar nicht genug da und die Ernährung war sehr einseitig. Gegessen musste werden, was auf den Tisch kam. Es gab nur selbstproduzierte Speisen aus Zutaten, die regional und saisonal waren. Diesen Trend kennen wir heute auch schon wieder.

Das Hauptnahrungsmittel war die Sau, Kartoffeln, Milch , Milchprodukte und Brot. Frisches Gemüse gab es nur im Sommer, im Winter gab es Wurzelgemüse, eingelagert im Keller.

Jeder Bauer schlachtete seine eigene Sau und verarbeitete diese auch und zwar alles! Heute gibt es diesen Trend auch wieder, da heißt er bobomäßig: from nose to tail.

Die Edelstücke vom Schwein aß man nur an Sonntagen, wohlgemerkt wirklich nur an Sonntagen! Aus dem Speck wurden Grammeln gemacht für Grammelknödeln. Das Schmalz wurde zum Kochen und zum Essen verwendet. Die Schweinshaxn, der Rüssel, die Schwarten, die Ohren wurden zur Sulz verarbeitet. Die Knochen wurden gekocht zu einer Suppe, oder konzentriert ergaben sie die Gelatine. Fleischstücke wurden in die Sur gelegt und nach etwa zwei Wochen geräuchert oder geselcht. Mein Vater baute sich selbst eine Selchkammer, weil das schwarze Rauchfanggeselchte wollte mit der Zeit keiner mehr.

Das Gedärm der Sau wurde am Misthaufen entleert und auch gleich gewaschen. Danach wurden die leeren Därme tagelang im Wasser ausgewässert, damit sich der Gestank verzog. Die brauchte man für die selbstgemachten Blutwürste. Da hat mir als Kind gegraust, bei der Herstellung und beim frischen Blutrühren.

Die Leber wurde als Schlachtessen gleich verzehrt. Unsere Wienernachbarn kamen öfter um ein frisches Stück Leber, gleich zum Rohessen. Die Leber wurde von ihnen schlachtwarm verzehrt, da bin ich immer weggelaufen. Die geröstete Leber habe ich dann schon gekostet. Aus der Lunge und dem Herz wurde Beuschel mit Knödel oder eine Beuschelsuppe gemacht. Nur der Saumagen war ein Hundefutter. Sauschädlessen war so ein uriges Ritual, nicht nur zu Silvester, sondern wenn er verfügbar war, nach einer Kartenrunde.

Sauerkraut machten wir auch selbst, das war lustig! Im Herbst hobelte meine Mutter das Kraut und gab es zusammen mit Salz und Kümmel in einen Bottich. Ich hüpfte barfuß wie wild darin herum, damit es besser vergären konnte. Sauerkraut war der wichtigste Vitamin-C -Lieferant im Winter.

Eier hatten wir von den eigenen Hühnern. Milch, Butter, Buttermilch, Sauermilch und Topfen war auch aus Eigenproduktion. Kartoffeln gab es in allen Varianten.

Im Winter bekamen die Tiere im Stall zerhackte Rüben als Schmankerl. Da schnappte ich mir oft ein Stück und aß es mit ihnen gemeinsam. Krautrüben waren das, die gibt es heute nicht mehr!

© ranunkel