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#crazyanimals#waldviertel

Das Gegenorakel

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Das Gegenorakel | story.one

Einfach abhauen, sich drei Tage und drei Nächte nicht melden und dann genauso einfach wieder heimkommen. Ich finde, dazu gehört eine ordentliche Portion Chuzpe. Was hab ich mich gesorgt, gesucht, gerufen. Sogar das Orakel hab ich befragen lassen, waren ja in der letzten Woche einige Menschen hier zu Besuch, die sich mit sowas auskennen.

"Schaut nicht gut aus" meinte sie dann mitleidig."Ein heftiges Ereignis..." Der Blitz kam im Orakel. Und in Wirklichkeit war am Freitag oben ein Mähdrescher gefahren, und seither war sie nimmer gesehen worden. Unsere Ramba, die dreifärbige Glückskatze. Ich hab gegen die Bilder angekämpft, die mir da hochkamen. Dann hab ich in meiner Traurigkeit aber auch gedacht, besser sie hatte unterm Mähdrescher ein blitzartiges, schnelles Ende, als sie liegt jetzt wo und leidet.

Ein Teil von mir weigerte sich standhaft, an das Orakel zu glauben. Katzen bleiben doch nicht liegen, wenn sich so ein Riesenbrummer nähert. Nicht einmal die Ramba, die ja tatsächlich extrem tief schlafen kann. Nein, wenn die Erde bebt und das Mähwerk dröhnt, da müsste selbst unsere Ramba Reissaus nehmen. Aber mit jeder Stunde in der sie nach dem Orakel nicht heimkam, wurde ich unsicherer. Alle Augenblicke ging ich raus und rief nach ihr, aber recht leise, in einem weinerlichen Tonfall.

Dabei ist Ramba ja nicht unser einziger Katzenliebling. Ihre Schwester, die Zamba, die war in diesen Tagen auch sehr unruhig und besonders streichelbedürftig. Und Schopen und Hauer sind ja auch noch da, die zwei abgeklärten Grossen. Und unsere beiden Hunde Grisu und Amelie und all die drausseren Viecherln. Aber man sollts nicht glauben, wie sehr dieses eine Dreifarberl gefehlt hat. Auch wenn ich sie sonst oft schimpfen musste, weil sie nachts immer wieder mit Mäusen daherkam, die sie der Amelie schenken wollte. Lieb gemeint, aber absolut nicht in unserem Sinn.

Und nun, als sie mir so sehr fehlte, da wünschte ich mir, dass sie das tat, was mich sonst so sehr ärgerte. Wenn sie nur endlich käme. Der Blitz konnte ja vielleicht auch bedeuten, dass es in der Nähe eingeschlagen hatte. Der Blitz könnte ihr auch die Nacht erhellen, - obwohl Katzen ja auch im Finstern heimfinden. Das Orakel konnte vielleicht auch meine grossen Sorgen widerspiegeln, und wenn ich diese Sorgen loslassen könnte...?

Am dritten Tag hab ich nicht mehr nach ihr gerufen, hab auch kein Frühstücksschüsserl für sie hergerichtet. Ich wollte dran glauben, dass es für Ramba gut sein sollte. So oder so. Ich war am Fisolenpflücken, da hab ich Piepsen gehört. Zamba, dachte ich. Dann hab ich aber doch, eher leise, mein "Muuuz, Muuuz" gerufen, und da kam sie daher, ganz lässig auf die Art "Was soll die Aufregung?"

Und ich hab sie gar nicht geschimpft. Freudentänze haben wir aufgeführt, mein Lieb und ich. Und ich hab erkannt, dass ein Orakelspruch nur eine Möglichkeit zeigt. Gegenorakel zaubern womöglich doch andere Möglichkeiten, juchu!

(Das Foto ist nicht Ramba, aber sieht ihr sehr ähnlich)

© rebella-maria-biebel 2020-08-25

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