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Die story-family

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Die story-family | story.one

Gleich beim Munterwerden kam die Erinnerung und das Lächeln. Wie ich mit dem Fuss im Riemen der Tasche hängengeblieben war, die bis zum Podium mitgeschleift hatte, - ohne es mitzubekommen!, bis mich dann hilfreiche Hände davon befreiten. Und wie ich dann zu Beginn meiner Lesung, breit grinsend, meinte "Das bin halt auch ich!" Ich hab mich gar nicht dafür geschämt dass mir sowas passiert ist, sondern hab meinen inneren Tolpatsch tröstend gestreichelt.

Also story tut mir gut, das steht fest.

Schon im Zug, in ganz lieber story-Reisegesellschaft, gings los, was so alles passieren könnte beim Lesen. Wenn ich ganz dringend pinkeln gehen müsste. Wenn mir meine Dritten plötzlich aufs Lesepult purzelten. Naja, so schlimm ist es nicht gekommen. Und selbst wenn..., in diesem Umfeld hätt ich soviel Vertrauen gehabt, dass ich auch darüber hätte lachen können. Gelacht haben wir schon im Zug eine Menge über Schrulligkeiten, also ich bin einfach bestens gelaunt bei Tahlia angekommen.

Ich sags ja, story tut mir gut.

Dann kamen die ersten bekannten Gesichter, Wiedersehensfreude, Lachen.

"Hallo Rebella, du hast mich schon gelesen, ich bin die..."

Eine nach der anderen. Immer wieder entgegengestreckte Hände, strahlende Gesichter, Freude. Ich hab sicher einige nicht mehr gespeichert, es waren einfach zuviele, und doch kenn ich jetzt irgendwie alle, als Einheit, als wohltuende story-Einheit. Eigenartigerweise waren die Auf-mich-Zugeherinnen ausnahmslos Frauen. Den Männern bin ich selbst auf die Pelle gerückt. Ich habs bei jedem einzelnen genossen, wenn sich zu den bekannten Texten das bislang unbekannte Gesicht gesellte. Staunen über die Vielfalt, von schüchtern bis weltmännisch, von recht jung bis...- na, ich denk, ich war die Älteste. Was zu einer gewissen Narrenfreiheit berechtigt, z.B. mit der Tasche am Fuss zum Podest zu gehen.

Hab ich schon gesagt, dass mir story guttut?

Nachdem mit meiner Familie und Freunden auch ein ordentlicher Fanclub anwesend war, bin ich mit den AutorInnen leider kaum zum Reden gekommen. Aber ich hab ja jetzt Gesichter zu den Geschichten, das verändert die Kommunikation sicherlich.

Meine Lesung. Die erste Lesung vor sovielen Menschen war für mich gut. Und jedesmal wenn ich den Blick ins Publikum richtete, fand ich freundliches Echo, von Bekannten und von Unbekannten. Da vor mir sass eine wohlwollende Familie, die es dem kleinen Patscherl nicht verübelte, dass es sich in der Sandkiste angepatzt hatte. Im Gegenteil. Einen hübschen Sandkuchen hatte ich gebaut in der story-Sandkiste, der wurde beinahe liebevoll beklatscht.

Es war sehr gut organisiert, eh klar, da sind Hannes und Martin Profis. Denen ich damit wieder mal herzlich danken will dafür, dass sie diese Familie ins Leben gerufen haben. Wenn ich mich hier manchmal schon ein bissi wie eine Mama fühle, dann wären sie ja die Opas? Da stimmt was nicht, egal, die Familienbande sind eben auch kunterbunt.

Sie tut mir gut, die story-family!

© rebella-maria-biebel 26.01.2020

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