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Ehe ohne Ringe

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Ehe ohne Ringe | story.one

Mit Eheringen ist das so eine Sache. Also allein von meiner Mama weiss ich zwei Geschichten, die schon irgendwie nachdenklich stimmen könnten.

Ziemlich frisch verheiratet gingen meine Eltern in den Prater. Mama flog kreischend im Ringelspiel, vor Entzücken kreischend. Und sie zappelte und ruckelte herum, dabei blieb sie mit dem Ehering in der Kette hängen. Er sass eher locker. Und dann war er fort, und dort am Ringelspielplatz natürlich nicht mehr zu finden. Also bekam sie einen zweiten. Und wie der sich verabschiedete, da war ich schon dabei. Mama war von einer Wespe gestochen worden, genau in diesen Ringfinger, der enorm anschwoll. Ich war damals allein mit ihr daheim und noch keine 10 Jahre alt, ich wäre mit ihr wahrscheinlich zum Arzt gelaufen. Aber Mama hatte eine andere Idee. Gleich gegenüber gab es einen Schlosser, der zwickte ihr in seiner Werkstatt den Ring ab, erwischte dabei aber auch ein Stück Finger. Noch heut hab ich ihren Schrei im Ohr. Vor Schmerz... und vor Erleichterung.

Am 6.6.16 wollten mein Lieb und ich Ja zueinander sagen, ohne Ringe. Wer von uns beiden auf die Tattoo-Idee kam, weiss ich nimmer, aber wir waren sofort begeistert von der Idee, obwohl wir beide bis dahin noch keine Tätowierung an uns hatten. Im Internet gab es jede Menge Vorlagen, wir wollten eine Königs- und eine Königinnen-Krone. Tagelang war ich auf der Suche, bis wir uns auf diese zwei Krönchen (siehe Foto) einigten.

Der grosse Meister war ein Freund einer Freundin. Nachdem wir keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet hatten, waren wir froh jemand gefunden zu haben, dem wir aufgrund der Erfahrungsberichte gut vertrauen konnten. Meister Franz. Ein Vorarlberger mit Kärntner Wurzeln, der hie und da in seine alte Heimat kam, um dort seine Klienten zu umsorgen. Also durchquerten wir Österreich, vom Waldviertel bis an die Slowenische Grenze, weil uns Meister Franz dort erwartete.

Bissi Bammel hatte ich schon, wie das sein würde da auf der dünnen Haut. Das Ambiente machte schon ordentlich Eindruck auf mich, die vielen Fläschchen, das Nadelzeug, die Handschuhe. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich hätte nichts gespürt. Aber von Schmerz war das weit entfernt. Alles ganz professionell und entspannt. Erst war ich dran, dann mein Lieb.

Und dann unsere gemeinsame Freude über die Verwirklichung unserer Idee! Nur, zur Hochzeit brauchten wir dann doch Ringe für die Zeremonie. Dafür hat dann mein Lieb zwei Holzringe gedrechselt, die wir später nie mehr gebraucht haben.

Unsere Krönchen sitzen fest, können nicht verloren gehen, bieten keine Angriffsfläche zum Hängenbleiben, stören nicht beim Händewaschen. Und sind sowas von hübsch, wir haben eine Riesenfreud damit. Mit unseren ersten und einzigen Tattoos...

© rebella-maria-biebel 28.11.2019

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