Fussball damals und heute

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Fussball damals und heute | story.one

Also, ich bin weder Fussballkenner noch Fussballfan. Aber irgendeinen Reiz hat dieses Spiel doch für mich. Geht ja oft weit über ein Spiel hinaus, zum Beispiel unser 3:2 gegen Deutschland in Cordoba. Na bumm, da hat die Erde gebebt. Und immer noch gibt es Einblendungen von Edi Fingers "I wer narrisch!", und jedesmal denk ich mir, war ja wirklich toll damals.

Mein Lieb kennt sich ziemlich gut aus, auch im ausländischen Fussball. Wo welche österreichischen Kicker spielen und wie erfolgreich sie dort sind. Das interessiert mich herzlich wenig. Nur bei Länderspielen frag ich dann wo denn der Torschütze sonst spielt, und er weiss die Antwort. Immer. Derzeit scheint unser Team recht erfolgreich unterwegs zu sein, das freut mich dann schon ein bissi. Auch wenns nur ein Spiel ist.

So ein Spiel kann aber auch sehr brutal werden, für mich. Bundesliga. RB Salzburg gegen irgendwen. Salzburg gewinnt immer, das geht mir schon auf die Nerven. Mein Lieb ist RB - Fan (oder sowas ähnliches). Wenn die dann eine andere Mannschaft mit 6:0 vom Platz schiessen, dann werd ich grantig. Sowas muss nicht sein. 3:0 sollte genug sein, alles was darüber ist, hat etwas Demütigendes, find ich. Darüber diskutieren wir öfters, mein Lieb und ich.

Ich bin kein Fan, aber ich halte eher zu den Schwächeren. Austria Wien ist derzeit wirklich schwach genug, dass es meine vollen Sympathien bekommt. So wie vor Jahren der Lask. Hat mir damals wirklich ein bissi wehgetan, wie die in die untere Liga absteigen mussten. Aber jetzt sind sie wieder da und sogar ziemlich gut, na also, geht ja.

In meiner Kindheit gabs ja noch Live-Übertragungen im Radio. Mama drückte - so wie ich heute - meistens für die Schwächeren Daumen. Ich glaub, es war Wacker. Papa und mein Bruder haben sie dafür immer gehänselt. Jedenfalls sassen wir dann alle in der Küche ums Radio. Edi Finger oder Kurt Jeschko schrie sich die Seele aus dem Leib...

"... da kommt der Ball von links, E. daneben, aber da ist plötzlich H. da, aus dem Nichts aufgetaucht und.... oh, jaaa, ja gibts denn sowas, drin isser, der Ball. Was für ein Tor! Drin isser, jawoll..."

Spannend war das, jawoll. Radioübertragungen gibts ja keine mehr, und Fernseher haben wir keinen. Also geh ich bei wirklich grossen Länderspielen zum Nachbarn. Ich darf dort auch bissi laut werden, das ist ausgemacht.

Laut war ich auch beim Dribbeln mit meinem grossen Bruder. Ich wollte nie, weil ich ja immer verlor. Aber er schmierte mir immer wieder Honig ums Maul:

"Heut lass ich dir den Ball, wirst sehen..."

Jedesmal fiel ich ihm darauf rein. Jedesmal degradierte er mich ganz fürchterlich. Ich rannte im Kreis, im Kreis, im Kreis und erwischte diesen Sch...ball nie! Und dann schrie ich, natürlich.

Und dann kam Mama und hielt natürlich zu mir, der Schwächeren, und Helmut zog beleidigt (und doch als Sieger) ab. Ich glaub, daher kommt es noch, dass mich solche erniedrigenden K.O.-Partien auf die Barrikaden treiben...

© rebella-maria-biebel 16.10.2019