Putzen, einst und jetzt

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Putzen, einst und jetzt | story.one

Putzen, Wischen, Zusammenräumen war noch nie meine Lieblingsbeschäftigung. Obwohl man dabei ziemlich gut Träumen nachhängen kann, das zählt allerdings zu meinen Lieblingsdingen. Und es ist auch immer wieder ein gutes Gefühl, wenns dann halbwegs sauber aussieht um mich herum.

Allerdings hält das nie lang an. Dazu brauchts keine kleinen Kinder mit klebrigen Nutellafingerln, das schaffen auch zwei Hunde und vier Katzen. Und natürlich der Mann in der Werkstatt, und all die Holzspäne und der Holzstaub, den er im Nu über das saubere Innenleben des Hauses verteilt. Oft bin ich fassungslos, wie schnell er das schafft. Wenn ich wollte, könnte ich deshalb permanent Frust schieben, aber das will ich nicht. Der neue Dreck muss bis morgen warten. Mein Lieb würde das auch nie als Dreck bezeichnen, Holz ist kein Dreck, in welcher Form auch immer! Jedenfalls kann sich mein Mann damit um einiges besser arrangieren als ich. Punkto Un-Ordnung sind wir uns aber ziemlich ähnlich, beide eher un als ordentlich, kreatives Chaos halt.

Für meinen Vater wäre es eine Strafe gewesen, hier zu leben. Sauberkeit und Ordnung hatten oberste Priorität. Wie oft hat er alles aus meinem Kasten rausgeschmissen, weil die Pullis nicht exakt zusammengelegt waren. Wie oft hat er kleine "Testhölzchen" in Winkel gelegt, um zu beweisen, dass Mama nicht gründlich gekehrt hatte. Er war auf dem Gebiet fanatisch, aber Mama hielt ganz gut dagegen. Seufzte manchmal, blieb aber ihrer Nicht-Perfektion treu.

Wie ich vorhin mit meinem neuen Mikrofaserwischer durchs Haus putzte, fiel mir unser damaliges Putzwerkzeug ein. Da war einmal der Mopp. Sowas ähnliches wie mein Wischer, nur klobiger und ohne Mikrofaser. Am Stiel war eine Scharnier, die klapperte, wenn ich den Mopp am Balkon ausbeutelte. Also ein Staubtuch mit Stiel.

Dann gab es, ganz wichtig, den Fransenkamm. Sowas Unnötiges. Naja, wer hat heute noch Teppiche mit Fransen? In meinem Haus gibts keine Perserteppiche, aber in meiner Kindheit gab es sie, im Herrenzimmer, im Speisezimmer und im Elternschlafzimmer. Und die Fransen zu kämmen war meistens meine Aufgabe. Auch ein Job, in dem ich gut vor mich hinträumen konnte.

Natürlich hatten wir einen Staubsauger, aber er kam selten zum Einsatz, wahrscheinlich wegen dem Stromverbrauch. Aber dann kam eine Teppichkehrmaschine! Die fand ich richtig cool. Wie sagte man damals? Super, oder toll? Heute möcht ich so ein Teil nimmer haben. Es wird gekehrt, gewischt oder gesaugt, das genügt.

Weder damals noch heute hab ich einen krankhaften Hang zur perfekten Ordnung und Sauberkeit in mir entdecken können, da haben Papas Gene bei mir nicht richtig durchgeschlagen. Nur hie und da scheint mich etwas davon einzuholen. Alle paar Monate gönn ich mir professionelle Hilfe, vor allem für Stellen, die für mich schon beschwerlich zu erreichen sind. Und wenn sie nach ein paar intensiven Putzstunden geht, hab ich das Gefühl... jetzt hätt der Papa seine Freud!

© rebella-maria-biebel