Spital im Ausnahmezustand

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Spital im Ausnahmezustand | story.one

So, jetzt kenn ich das auch. Phu. Rocky Horror Picture Show, live in einem kleinen Landeskrankenhaus.

Der gestrige Tag begann mit wirklich argem Weh. Nachdem mein Arzt montags ordinationsfrei hat, betrug die Spanne von der Samstagsinfusion doch drei Tage. Montag abends war ich schon sehr eingeschränkt, aber nach einer schmerzhaften Nacht war der Morgen dann echt katastrophal, konnte kaum noch gehen. Grad, dass mich mein Lieb ins Auto verfrachten konnte und ab zur Schmerzinfusion. Diesmal wars dem Arzt dann doch zuviel, er wollte unbedingt ein Röntgen. Sowas ist in diesen Zeiten so gut wie nicht zu bekommen. Aber er hat sich ans Telefon geklemmt und mich irgendwie doch im nächsten Spital ankündigen können. "Es ist akut, wir brauchen dringendst Röntgen."

Zum Glück begann die Infusion dann am Weg ins Spital langsam zu wirken, - wie hätt ich sonst diese Wanderung durch die Spitalshallen meistern können? Mein Lieb brachte mich noch zur Pforte, doch Begleitpersonen waren nicht zugelassen. Gespenstisch der Anblick, der sich uns da bot. Wir standen in der Schleuse, einem Rotkreuzzelt mit ein paar Holzbänken vor einer Glastür. Dahinter bewegten sich vermummte Gestalten. Eintritt nur nach Aufruf und natürlich einzeln. Abschied von meinem Lieb und rein in dieses science fiction Szenario.

Drei Menschen in einem Raum von etwa zehn Quadratmeter, von Kopf bis Fuss in Plastik verpackt. Das Rascheln ihrer Bewegungen war so laut, dass ich die Fragen oft nicht verstand. Eine steckte mir sofort ein Thermometer ins Ohr (das zuvor natürlich desinfiziert worden war), eine sah sich meine Überweisung an und schüttelte den Kopf: "Wir machen derzeit keine Röntgen." Nach einem Blick auf mein buckliges Gstell und Absprache mit einem anderen wurde es dann doch genehmigt. Dann musste ich gründlichst desinfiziert werden, Handdesinfektion und Körperbesprühung, die Tür ins Krankenhaus öffnete sich. Zur Anmeldung.

Dort wirkte alles ziemlich normal, keine Masken, ich atmete auf. Als ich die Dame fragte, ob sie meine e-card wollte, fuhr sie mich heftig an: "Ich greife ganz sicher nichts von Ihnen an!" Naja, also doch nicht normal. Ist ja auch verständlich, wenn man täglich vor Arbeitsbeginn durch diese grausliche Schleuse muss, die mich an Fotos aus der Maul- und Klauenseuchenzeit erinnert hat. So beginnt man seinen Arbeitstag nicht wirklich fröhlich.

Aber dann kam ein junger Sanitäter mit einem Rollstuhl. Ach, tat das gut, sitzen zu können! Die Untersuchungen verliefen professionell, auch die Befundbesprechung war ausführlich und informativ. Wobei mich das Äussere des Pflegepersonals schon irritierte: von völlig maskenfrei bis beinah völlig vermummt, je nach Lust und Laune? Von meinem Befundarzt kenn ich nur die Augen.

Fazit: Ich brauche eine MR-Untersuchung. Die gibt es derzeit nicht, wenn man nicht schon Lähmungserscheinungen aufweist. "Wenn ich Sie hier aufnehme..." "Nein!" Schrecklicher Gedanke.

Ach wie gut, als mein Lieb kommt..

© rebella-maria-biebel