Verliebt

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Verliebt | story.one

"Hey Maria, ich war sowas von verliebt!"

Ich höre an ihrem Tonfall, dass sie offenbar richtig glücklich ist und bin etwas irritiert: "Du WARST verliebt?" Darin verbirgt sich auch der kleine Vorwurf, dass ich bis jetzt ja noch gar nichts von einer existierenden Verliebtheit wusste.

Saskia ist seit über drei Jahren in einer recht lebendigen Beziehung mit Adam. Mal innig und euphorisch, dann wieder strampfig und auf Abstand. Wir telefonieren zwei bis dreimal im Monat, zuletzt erst vor etwas über einer Woche. Da war noch von keiner Verliebtheit die Rede. Sie wollte mit Adam über den nächsten Besuch bei uns reden, und ja, es kamen schon sehr liebe Worte über ihn und dass es ihnen grad wieder recht gut ginge. Nur klang das nicht nach einer "Exverliebtheit".

Saskia hört offenbar durchs Telefon mein Hirn arbeiten und lacht fröhlich:

"Keine Sorge, es geht mir sehr gut! Ganz besonders sehr gut!

Und dann erzählt sie mir über ihre vergangenen zehn Tage. Sie hatte sich für ein Outdoorwochenende angemeldet, bei den Vorbereitungen fiel ihr ein netter Typ auf, der dann im Verlauf des Wochenendes von Stunde zu Stunde netter wurde.

"Maria, wie soll ich's dir erklären? Es war magisch. Ganz zittrig war ich vor Aufregung, es hat richtig geknistert. So mit Schmetterlingen im Bauch und Herzerln, die durch die Luft fliegen. Dabei ist gar nichts passiert. Wir waren eine feine Gruppe, das Wochenende war gelungen, aber nach dem Wochenende war ich völlig durcheinand, verstehst? Tom, Tom, Tom. Mehr hatte nicht Platz in meinem Kopf. Und dieses dämliche Lächeln, das ich nicht vom Gesicht kriegte. Adam konnte ich grad überhaupt nicht brauchen. Naja. Gestern hab ich Tom angerufen, heute haben wir uns getroffen..."

Langsam beginne ich zu verstehen. Vor allem dieses Wörtchen "war" bekommt nun Sinn.

"Dass sowas möglich ist. Die totale Ernüchterung. Er ist es nicht. Es gibt keinen einzigen Schmetterling mehr in meinem Bauch, juchu! Diese Erleichterung! Stell dir vor, wir wären in eine rasende Verliebtheit gefallen. Stell dir vor! Der arme Adam, wie hätt ich ihm das beibringen sollen. Ich bin so froh, dass ich nimmer verliebt bin! Richtig dankbar, dass es kein Drama geben muss, verstehst mich jetzt?"

Natürlich versteh ich sie. Und Tom kenn ich nicht, aber Adam mag ich sehr. Aber warum verliebt sie sich nicht in Adam, frag ich mich?

Da werd ich plötzlich sehr dankbar dafür, dass ich mich immer wieder in mein Lieb verlieben kann. Manchmal kommen die Schmetterlinge mehrmals täglich daher. Eigentlich sind sie immer da, mal mehr im Hintergrund, mal ganz verrückt. Es tut so gut, sich in den eigenen Mann zu verlieben.

Und als ob sie meine Gedanken gehört hätte, meint Saskia schelmisch:

"Jedenfalls kann ichs noch, das Verliebtsein. Tolles Gefühl. Aber wem sag ich das..., - ich glaub in meinem Bauch entpuppt sich grad ein Schmetterling für Adam..."

"Wie schön", lachen wir beide gemeinsam....

© rebella-maria-biebel 24.11.2019