El medico

Ich kann schon verdammt patschert sein. Zum Beispiel beim Mofafahren.

Es war knapp vor unserem Urlaubsende in Kuba. Einigemale waren wir mit gemieteten Jeeps kreuz und quer durchs Land gefahren, die hintere Plattform immer voll mit einheimischen Autostoppern. Bei unserer letzten Fahrt war ein junges Pärchen mit Baby dabei. Als wir sie bei ihrem Haus absetzten, luden sie uns herzlich auf eine Kokosnuss ein. Und wir hatten leider kein Geschenk mehr dabei, war alles unterwegs *verstreut* worden. Darum beschlossen wir, die kleine Familie mit einem kleinen Dankeschön nochmals zu besuchen. Es war nicht weit dorthin, drum mieteten wir Mofas.

Alle sausten so lässig damit herum, ich freute mich auf die Fahrt. Bei der ersten Kurve hatte ich zwar ein flaues Gefühl, weil das Gefährt nicht ganz so wollte wie ich. Aber dann gings geradeaus und ich jubelte vor Begeisterung, erstmals ein Mofa zu fahren. Bis zu der Strasse, in die wir einbiegen mussten. Ich wollte auf meinen Freund warten, aber das Ding wollte nicht stehenbleiben! Ich fand keine Bremse, wollte aber auch nicht absteigen und sah mir dabei zu, wie ich im Schneckentempo die Böschung runterfuhr, bis ich unten mit einem Knie auf dem Lenker landete.

Uff, da war ein verdammt grosses, tiefes Loch unterhalb meines Knies, aber es blutete nicht, wahrscheinlich vor lauter Schreck. Mein Freund hatte zufällig ein Pflaster eingesteckt, das klebte er drüber und half mir auf. Rundum nichts als saftiges kubanisches Grün, keine Häuser zu sehen. Der Lenker war verbogen, so konnte ich nicht zurückfahren.

Plötzlich kam ein Motorrad mit Beiwagerl daher, im Beiwagerl sassen mindestens drei Leute. Einer davon lief zu mir und wollte meine Wunde sehen, aber die war so schön verklebt. "No" sagte ich in meinem besten Spanisch, doch er nickte, deutete auf sich und sagte "Medico!"

Das gabs doch nicht, dass in dieser menschenleeren Gegend innerhalb von 5 Minuten ein Arzt zur Stelle war? Doch dann sah ich hinter den Sträuchern Menschen auftauchen, aha, so funktionierten hier die Buschtrommeln!

Er sah sich die Wunde an, immer noch ein weisses Loch, schüttelte den Kopf und zeigte, dass es genäht werden musste, oje. Das Beiwagerl wurde für mich freigemacht, dann begann die Suche nach der Ordination. Mindestens 5 Häuser fuhr der Doc an, fragte, nein, weiter. Endlich bekam er einen Schlüssel für eine Garage, die als Warteraum diente. Es funktionierte erstmal gar nichts. Kein Strom, keine Spritzen. Mittlerweile blutete mein Knie wie wild. Und dann war auf einmal alles da, Strom, Spritzen, Helfer. Ich wurde tadellos versorgt, während mein Freund draussen im Warteraum unsere Mitbringsel an die fröhlich schwatzenden Gaffer verschenkte. Vielleicht hatte einer von ihnen den medico gerufen?

Nach der OP wurden wir mit der Rettung ins Hotel chauffiert, samt den Mofas. Niemand wollte meine Sozialversicherungsnummer wissen. Ich war ein Mensch, dem wurde geholfen.

Hoch lebe Kubas Gesundheitssystem!

© rebella