Mein Flugzeugabsturz

Grad war wieder so eine Meldung in den Nachrichten. Da sind auf der Stelle über hundert Menschen tot. Schlimm. Eventuell sogar drei Österreicher darunter. Schlimmschlimm.

Aber es ist immer noch das sicherste Verkehrsmittel. Im Strassenverkehr stirbt regelmässig ein Vielfaches, geht mir wieder einmal durch den Kopf. Und die Erinnerung an "meinen" Flugzeugabsturz...

Ende der 70er Jahre, es war mein allererster Flug. Naja, eigentlich mein zweiter. Der erste brachte uns von Wien nach Frankfurt. Damals, RAF-Zeit, patroullierten am Flughafen unzählige schwerbewaffnete Sicherheitsbedienstete. Ich hab mich bei diesem Zwischenstopp nicht sehr entspannen können.

Dann gings weiter, mit einer TAP, portugiesische Luftlinie, nach Faro, zum Urlaub an der Algarve. Nach der AUA wirkte die TAP mickrig. Das Personal war zwar herzlichst, freundlich, gut gelaunt. Der Käpt'n tat auf cool. Aber die Maschine machte eigenartige Geräusche und glitt beiweitem nicht so mühelos dahin wie zuvor die AUA.

Aber es war auch sehr schön da oben. Ich sah zwar nichts anderes als Himmel und Wolken, weil die Kinder natürlich beim Fenster sassen, aber ich staunte unablässig, wenn wir durch eine Wolkenbank durchstiessen - dann waren wir über den Wolken. Ganz so wie in Reinhard Mey's Song fühlte ich mich doch nicht, keine grenzenlose Freiheit. Ziemlich beengt in dem Gefährt...na, eher in dem "Geflug"?

Dann hiess es Anschnallen zum Landeanflug, meine Freiheit war noch mehr eingeschränkt. Ich konnte mich nicht einmal über meine Tochter beugen, sah nur Himmel und Meer. Und das Flugzeug sank und sank. Das Meer kam näher und näher.

Was ist denn da los??? Nur Wasser! Ich konnte bereits Schaumkronen erkennen, weit und breit kein Land in Sicht! In Panik sah ich mich um, warum gab es keine Schreckensschreie? Sahen die nicht, dass wir grad ins Meer stürzten? Die Stewardessen lächelten, aber mir war zum Heulen. Ich krallte mich am Sitz fest, streckte meine Hand rüber zu meiner Kleinen, der das Meer schon fast bis ans Fenster kam.

Grad als ich gellend losschreien wollte, aber wirklich im allerletzten Moment, kam ein Stückchen Land in Sicht. Faros Flughafen hatte eine sehr schmale Landezunge. In dem Moment, als ich Land sah, setzte das Flugzeug auch schon auf. Mir schlotterten die Knie, und zwar ganz gewaltig, während meine Töchter vor Entzücken kreischten.

Als wir dann eine Ewigkeit auf der Rollbahn aufs Auschecken warteten (Faro bestand damals aus einer ganz kleinen Holzbaracke, die Abfertigung ging äusserst langsam), wurde mir in der prallen Sonne sterbensübel. Ich kotzte mir dort meine Absturzangst raus, lachte und weinte gleichzeitig dabei.

"Mama, was ist denn los???"

"Naja, ist ja nicht alltäglich, dass man seinen ersten Flugzeugabsturz überlebt."

Ihre Diagnose: "Mama ist wieder mal durchgeknallt" war gar nicht so verkehrt...

© rebella