Frühlingserwachen

Gestern im Kreis von lieben Freundinnen. Draussen fallen zwar Schneeflocken, aber wir alle haben schon die einzelnen Schneeglöckchen und Primeln gesehen, die der frische Schnee jetzt wieder zudeckt. Der Winter macht sein Abschiedsknikserl, der Frühling bahnt sich an.

Jööö, endlich! Es knospt und blüht schon zaghaft. Dieses permanente , dickhaubige Weiss macht dem ersten Grün Platz. Die Sonne wärmt schon ein bisschen. Tut das gut!

Und doch. Wir reden ja nicht nur vom Wetter, sondern auch darüber, was das mit uns tut. Und da tauchen schon auch kritische Stimmen auf, Frühling am Land ist nicht nur eitel Wonne. Viel Arbeit sagt sich an.

Dabei sind meine Freundinnen alle um Jahrzehnte jünger als ich, fit und beweglich. Also kommt das nicht von meinem Alter, dass ich so ein flaues Gefühl krieg, wenn ich in den beginnenden Frühling schau.

Mein Lieb hat mir eh schon einige Hochbeete gebaut, weil das Bücken nimmer so sehr Meins ist. Wie lieb von ihm. Nicht wirklich gern, aber doch, gräbt er mir Löcher für neue "Stauden", wie er es immer nennt. Er hilft mir bei allen grösseren Arbeiten. Wenn er derweil hat, und das ist leider selten.

Und weil ich nicht immer wieder um Hilfe bitten wollte, hab ich einmal ein Inserat aufgegeben quasi unter dem Motto *Freude für alle!* Es gibt ja genug Städter, die vom eigenen Garten träumen. Da hat sich auch gleich eine junge Mama mit zwei Kindern gemeldet. Freude für alle hiess, dass sie hier jeweils ein paar Tage Urlaub machen konnten. Die Mama buddelte glücklich im Garten, die Kinder tollten mit den Viecherln herum. Ich bekochte alle und abends hatte die Mama auch mal Erwachsene zum Reden, wenn die Kinder mit ihren ländlich roten Bäckchen eingeschlafen waren. Und ich hatte eine Riesenfreud mit dem nicht mehr vorhandenen Unkraut und freundete mich auch mit der Mama gut an.

Das ging eine ganze Weile sehr gut, ach war das fein. Aber dann veränderte sich die Lebenssituation der Mama in eine Richtung, die für ihre Gärtnerleidenschaft keinen Raum mehr bot. Tja.

Ich liebe unseren Platz wie keinen anderen je zuvor, aber die Stadtpflanze in mir stellt sich immer noch ordentlich quer. Wenn ich mir das derzeitige Chaos draussen anschau, nach Schnee und Sturm, dann krieg ich beinahe Angstzustände. Wie soll das irgendwann schön werden??? Wobei ich nicht mit Nachbarn wetteifere, nie und nimmer. Hier wohnen Pipi Langstrumpf und ihr Lieb, so schauts aus. Aber ein bissi hübsch dürft es schon sein, trotz Wildnis.

Frühlingserwachen. Der Frühling ist ja nicht aufzuhalten, also lass ich ihn kommen. Er ist ja sowieso hübsch, auch ungezähmt. Ich tu halt, was ich kann, ohne Erschöpfungszustände. Mein Lieb hilft mir, er ist ja noch jung. Aber drum ist er noch nicht in Pension. Drum Zeitmangel, drum halt doch Chaos, aber überschaubares.

Ui, er weiss noch gar nicht, dass ich mir vorm Haus einen Hollerstrauch wünsche..., wenn möglich noch heuer. In diesem Frühling...

© rebella