Lesen und lesen lassen

Dies hier ist eine Schreibplattform. Wir schreiben, damit andere es lesen können. Wir lesen aber auch sonst allerlei, und bekommen dabei Lust aufs Schreiben. So sind wir wohl alle eine Art Buchstabenpfleger. Also meine innere Buchstabensuppe ist reines Chaos. Kein roter Faden, der findet sich auch in meinen stories hier nicht, ich hab grad nachgeschaut.

Am Küchentisch liegt der Standard und beschert mir täglich politischen Unmut. Daneben der Augustin, das geht in eine ähnliche Richtung, wenn die Gerüchte stimmen, dass sie dieses Medium auch abdrehen wollen. Aber da liegt ja auch ein Geburtstagsgeschenkbuch mit dem Titel "Zuversicht", kann ich brauchen.

Im eBook hab ich grad einen erschütternden Boyle fertiggelesen, Anklage an unsere Gesellschaft. Jetzt ist eine Allende dran. Spielt im Dschungel, da mischen sich kolumbianische Bilder von einer story-story drunter. Und dass ich in meiner eBook-Bibliothek einen Tilman Rammstedt gefunden hab, den ich noch nicht kenne, find ich wunderbar. Endlich hört mich mein Lieb wieder mal kichern beim Lesen, und herzlich lachen. Das bringt mich zu einer lieben story-Schreiberin, die ich damals im Rammstedtforum kennengelernt hab, und ich krieg plötzlich Lust auf Quittengelee.

Draussen lacht die Sonne. Grisu steht da und hält ihren Kopf erwartungsvoll schief. Na klar, wir gehen raus, und zwar barfuss. Wie in der story-Geschichte. Mit der Kamera, wie in einer anderen story-Erzählung. Und daneben wächst was eigenes in mir. Alle möglichen Buchstaben von Zeitungen, eBooks, Büchern und story-stories kugeln durch meinen Kopf und suchen einen Weg, über die Tastatur. Irgendwo muss es ja wieder raus. Es geht erwartungsvoll rund in meinem Kopf.

Für Gedanken-Sprünge bin ich wohl schon zu unbeweglich, es ist eher ein chaotisches Durcheinanderfliessen von Gefühlen. So lass ich mich in den Buchstaben treiben. Es ist eine Mischung aus allen möglichen Stimmungslagen, bis ich in einem Gefühl hängenbleibe. Empörung, Wehmut, Seligkeit..., und dann öffnet sich eine Schleuse. Und was dann passiert, erlebe ich immer wieder wie ein kleines Wunder. Ich fliesse nicht mehr von einem Bild zum nächsten, vom Dschungel bis zum Augustinverkäufer. Ich kann bei meinem Bild bleiben, in meiner eigenen Geschichte.

Das ist absolutes Loslassen vom Alltag, der auch vielfältig und schön ist. Auch alle gelesenen Geschichten hören auf, mich mit ihren Bildern und Gefühlen zu vereinnahmen. Da ist dann nur mein Text, und der muss nur meinen Ansprüchen genügen. Und wenn er dann dasteht, wenn ich ihm wohlwollend zunicke, dann bin ich irgendwie stolz auf mein kleines Werk. Und wenn ein paar Menschen auch Bilder aus meinen Geschichten gern in ihrer Buchstabensuppe finden, dann freut mich das sehr. So ist das mit Lesen und Lesenlassen...

© rebella