Ein besonders dummer Fremdgänger

Ach Gott, wenn die Hormone das Denken der Männer vernebeln …

Meine Frau erzählte mir gestern eine Geschichte aus ihrer Heimat. Sie lebte vor 30 Jahren in einer Stadt am Schwarzen Meer. Ihre Wohnung lag im 7. Stock. Von dort aus konnte man auf das lokale Fußballstadion sehen.

Die Nachbarin meiner Frau war schwanger. (Eigentlich sollte man „befruchtet“ sagen, denn schwanger – das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen – heißt genau genommen so viel wie schwer. Es gibt auch schwere Frauen, die nicht … Ich will jetzt aber nicht wieder in die Wortklauberei verfallen. Sorry!)

Eines Tages sagte der Mann dieser Nachbarin, dass er sich am Nachmittag ein Fußballspiel ansehen möchte. Gut. Er ging weg, jedoch … Es war kein Lärm zu hören, wie es üblich ist, wenn Fans toben. Im Stadion war es still. Das war verdächtig. Die Frau sah aus dem Fenster: Das Stadion war leer.

Die Nachbarin machte sich daraufhin auf den Weg, um ihren Mann zu suchen. Ihr erster Verdacht war natürlich auf die üblichen Bars und Wirtshäuser gerichtet.

Da sie dort nicht fündig wurde, machte die nervöse Frau einen Spaziergang entlang des Strandes. Dort tummelten sich die Badelustigen. Und siehe da: Sie sah ihren Mann beim Knutschen mit einer barbusigen Schönheit. Die Bedauernswerte wurde wütend, beherrschte sich jedoch und wartete, bis die beiden ins Wasser liefen und dort kindisch plantschten. Da sauste sie zum Badetuch der beiden Turteltauben und hob es auf samt allen Habseligkeiten: BH, Schlüssel, Geldbörsen, Schuhe, Hosen usw. Dann ging sie damit nach Hause. (Solche Szenen sind aus Filmen bekannt, jedoch war hier das Finale einzigartig.)

Dass der Mann daheim ordentlich ausgeschimpft wurde, ist klar, doch WIE kamen die beiden nach Hause?

Zuerst ging der Mann bei anderen Badegästen betteln – um ein Handtuch, mit dem er seine Buhlin bedecken hätte könnte. Da jedoch keiner etwas hergeben wollte, machte er sich auf die Suche in der Umgebung des Strandes. Er hatte ja kein Geld, um etwas in den Geschäften kaufen zu können. Da sah er auf dem Taxistandplatz einen Taxifahrer, den Freund seines Freundes. Dieser lieh dem Deppen eine Decke. Damit verhüllte er seine Freundin und ging mit ihr zum Taxi. Der Taxler brachte die beiden zuerst einmal zur Wohnung des Mannes. Dieser winselte vor seiner Frau, erbat die Schlüssel für seine Freundin und deren Bekleidung. Die Frau jedoch ließ ihren untreuen Mann zappeln. Der Taxifahrer ließ den Taxameter weiterlaufen, das kam dem dummen Ehemann am Ende teuer zu stehen. Die betrogene Frau machte ein Theater und ließ ihrem Mann ein Schuldeingeständnis schreiben – für alle Fälle, falls es zu einer Scheidung kommen sollte. Dann gäbe es kein Leugnen und Dummstellen. Man weiß ja nie. Am Ende bekam die Konkubine ihre Reizwäsche samt Schlüssel wieder, der Taxifahrer freute sich nicht nur über einen guten Fuhrlohn, sondern … Er nützte die Stunde mit der Halbnackten im Taxi, um mit ihr anzubandeln. Am Ende wurden die beiden ein Paar.

© Reinhard Rinnerthaler