99 Luftballons und 1 Mönch

  • 332

Was würden Sie denken, wenn Sie einen Klosterbruder sähen, der einen Strauß bunter Luftballons in der Hand hält?

Na ja, komische Sachen gibt es immer. Doch nicht genug damit: Der Mönch ging mit den Ballons in seine Kirche.

Die Menschen liefen ihm nach, sie platzten fast vor Neugierde. Jeder wollte wissen, auch ich: Was macht ein Mönch mit „neunundneunzig Luftballons“ in einer Kirche?

Es war Sommer, es war heiß, und es gab eine Fliegenplage. Besonders arg wütete sie in der Kuppel der Klosterkirche. Es war ein lautes Summen zu vernehmen, tausende Fliegen sausten in luftiger Höhe umher.

Das monotone Brummen störte bei den Gottesdiensten, doch nicht nur das. Fliegen legen sich ja nicht ins Bett zum Sterben, nein, sie verenden fliegend – will heißen: sie fallen tot oder halbtot zu Boden. Wenn es blöd herginge, auf die Glatze des Priors während der Messe, noch blöder wäre ein Sturz in den Kelch, in das Blut Christi. Eine Katastrophe!

Dagegen musste etwas unternommen werden! Im Kloster wurde viel diskutiert. Man wollte das Problem schleunigst in den Griff kriegen.

Soll man eine professionelle Firma engagieren? Pater Kämmerer war dagegen und sagte seufzend: „Was das wieder kosten tät’ ...“ (Des Kämmerers Agenden waren die Finanzen, und sein Motto war: „Sparen, wo’s und wie’s nur irgendwie geht!“.)

Da hatte ein junger Mönch die Idee, Luftballons mit Helium aufzublasen, zusammenzubinden und mit einer Dose Insektenspray, die mit einem Klebeband ausgelöst wurde, nach oben zu schicken. Danach konnte man die Ballons, die an einer langen Schnur befestigt waren, wieder herunterziehen.

Gesagt, getan. Die Spraydose schwebte zischend nach oben, und bald danach war der Boden im Altarraum schwarz – schwarz vor lauter Fliegenleichen. Danach war es still. Totenstill.

Mönche von der sanften Sorte kommentierten danach die Aktion ihres Mitbruders mit den Worten: „Auch Fliegen sind Geschöpfe Gottes und haben ein Recht auf Leben.“

Der Kämmerer murmelte grantig vor sich hin: „Ja, natürlich, aber nur so lange, bis sie von einer Schwalbe gefressen werden.“

„Oder von den Spinnen“, sagte Pater Ildefons, der immer das letzte Wort haben musste.

© Reinhard Rinnerthaler