Männer flöten gern

2012 fragte ich eine Kellnerin in meiner Lieblingspizzeria, ob wir nicht wieder heiraten sollten. (Beide waren wir damals schon seit Jahren von unseren Partnern geschieden.) Sie meinte, dass es schwierig werden könnte, jemanden dafür zu finden … in unserem Alter.

Daraufhin gingen ich und meine Lieblingskellnerin zum Salzburger Standesamt und bestellten das Aufgebot, obwohl wir einander so gut wie nicht kannten, doch waren wir uns sehr sympathisch. Bis zum festgelegten Hochzeitstermin hätten wir ja noch ein paar Monate Zeit gehabt, die Sache abzublasen.

Eine Frau heiraten zu wollen, von der ich eigentlich nichts wusste, war mit Abstand das Verrückteste, was ich in meinem langen Leben tat.

Ein halbes Jahr später wurde groß Hochzeit gefeiert. Die Frage der Standesbeamtin beantwortete meine Frau nicht nur mit JA. Sie sagte spontan: „JA – bis in alle Ewigkeit!“ Die Standesbeamtin und alle Gäste waren gerührt und schluchzten. Seitdem sind wir glücklich verheiratet – aber nicht so, wie einer meiner Freunde manchmal über seine Ehe sagt: „Wir sind glücklich verheiratet: SIE ist glücklich, ICH bin verheiratet.“ – Und, was keiner glaubt: Wir haben noch nie gestritten.

Meine Frau stammt aus Südosteuropa, spricht aber sehr gut Deutsch. Manchmal jedoch gelingen ihr wunderbare Wortschöpfungen. Statt Gänsehaut sagt sie z. B. Gänselhaut, und die Männer würden gern mit ihr flöten. Sagt sie. – Es hat ein paar Sekunden gedauert, bis ich verstand, dass die Männer gern mit ihr flirten. – Verständlich, denn sie ist sehr hübsch und immer gut drauf.

Ich ärgere mich gelegentlich über den Papierkram, sie ärgert sich über Krampapier.

Da lag wieder einmal ein Berg Wäsche vor mir, ich plagte mich seit Stunden mit dem Bügeln. Da kam meine Frau aus der Küche und sagte: „Na, wie geht es dir damit?“ Ich antwortete: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“

Da fragte sie: „Was hat ein Eichhörnchen, das Hanselnusse frisst, mit dem Bügeln zu tun?“ (Hanselnusse = Haselnüsse)

„Na ja“, sagte ich. „Das Eichhörnchen vergräbt die Haselnüsse für die kalte Jahreszeit, findet dann aber die meisten nicht mehr, deshalb ernährt es sich mühsam. Vor allem im Winter.“

„Aber du vergräbst die Wäsche ja nicht.“

„Du hast ja recht“, sagte ich, um die Diskussion nicht ausufern zu lassen, und bügelte weiter.

Statt Sexshop sagt meine Frau Sexy Shop. Einen solchen erwähnte sie, weil ein Bekannter von ihr bei der Auflösung eines solchen Shops beim Sperrmüll eine Schachtel fand. Den Inhalt – ein merkwürdiges Gummiding – blies der naive Mann auf und staunte letztlich über eine lebensgroße Puppe. Er setzte diese auf sein Fahrrad, wurde aber gleich einmal von einem Polizisten angehalten – wegen ungesicherter Beförderung eines Transportgutes. (Oder war es, weil zwei Personen nicht auf einem Fahrrad sitzen dürfen?) Der Angehaltene wollte die Puppe dem Polizisten schenken, doch dieser lehnte ab und verlangte, dass ihr die Luft ausgelassen wird.

© Reinhard Rinnerthaler