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Peinlich, peinlicher, am peinlichsten

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Peinlich, peinlicher, am peinlichsten | story.one

Eine meiner Töchter saß in der Hauptschule in der ersten Bankreihe, vor dem Katheder. Die Lehrerin – ein ältliches „Fräulein“ – hatte eine feuchte Aussprache, sie gab bei ihrem Vortrag Spucktröpfchen von sich. Darüber jammerte meine Tochter. Eines Tages wurden die Eltern in die Schule beordert. Was war geschehen? Die Lehrerin las uns die Leviten, denn unsere Tochter hatte eines Tages im Unterricht einen kleinen Regenschirm vor sich aufgestellt.

Gestern waren meine Frau und ich mit coronalem Isolationszeitvertreib beschäftigt. Statt „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen (weil das Fernsehprogramm wieder einmal megafad war) listeten wir peinliche Situationen in unserem Leben auf: Wer in einer Stunde mehr erzählen kann, hat gewonnen. (Wer das am Ende war, verrate ich nicht. Bin ja ein Gentleman.) Die Geschichten meiner Frau kann ich hier auch nicht auflisten, meine aber schon …

Da saß ich einmal beim Hausarzt im Wartezimmer. Neben mir eine junge, spärlich bekleidete Frau, deren Anblick mich erfreute. Als sie bemerkte, dass ich sie ansah, sagte ich: „Das sieht man selten: ein schönes Mädchen, das nicht mit Metallzeug behängt ist und keine Tattoos zur Schau stellt ... zumindest nicht an den allgemein sichtbaren Stellen.“ Die junge Frau zog wortlos ihr T-Shirt hoch. Da sah ich auf ihrem Bauch einen tätowierten Mops-Hund von hinten. Der Hund streckte mir sein Hinterteil entgegen, und sein A...loch war der Nabel des Mädchens.

Man nennt eine Messe, die vor oder nach einem Begräbnis abgehalten wird, manchmal Auferstehungsgottesdienst, obwohl da niemand aufersteht. Deshalb sage ich lieber wie früher: Requiem. Bei einer solchen Messe zu Ehren eines verstorbenen Bekannten war die Kirche ziemlich voll (das war noch vor Corona!); ich setzte mich in die letzte Bankreihe. Kurz danach nahm ein Pfarrer im schwarzen Anzug und mit weißem Plastikkragen neben mir Platz. Höhepunkt der Messe ist die Wandlung, da ist es in der Kirche mucksmäuschenstill. In diese Stille tönte der Pfarrer neben mir. Er ließ Biogas ab. Keine Spur von dezent, sondern laut donnernd. Die Trauernden blickten zurück, auf mich und schüttelten erbost den Kopf. Wahrscheinlich dachten alle: ein Pfarrer tut so etwas nicht. Nie im Leben! Das war sehr peinlich für mich. Wenn ich heute den Pfarrer irgendwo treffe, grüße ich ihn nicht.

PS: Auf dem Foto zu sehen: Bandana v. Gebrüder Moped.

Müsste ich so eine Maske gestalten wollen oder müssen, würde ich den Schluss eines Liedes von Udo Lindenberg zitieren bzw. draufdrucken: „Selbst der härteste Scheiß geht irgendwann wieder vorbei.“ ;–)) So oder so sind diese Masken lästig, denn es laufen mir durchs Atmen die Brillengläser an. Zu meiner Lieblingskassiererin sagte ich gestern mit angelaufener Brille: „Ach Gott, ja, ... jetzt sind Sie leider nicht mehr so scharf wie sonst.“ Da hat sie gegrinst.

© Reinhard Rinnerthaler 18.04.2020

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