Tor! Tor! Kirchentor!

Neulich traf ich einen alten Pfarrer, mit dem ich früher einmal Geschäfte gemacht hatte.

„Wie geht es Ihnen, Hochwürden?“, fragte ich ihn freundlich.

„Ach, das ist ja eine Ewigkeit her, dass mich jemand so angeredet hat. Schön. Und wenn Sie mich schon fragen, wie’s geht, dann kann ich nur sagen: Es geht … dem Ende zu.“

„Wie meinen Sie das?“

„Die Kirchen werden immer leerer. Wenn man die Austrittszahlen der letzten Jahrzehnte hochrechnet wird ein heute geborener Mensch erleben, wie die katholische Kirche verschwunden sein wird.“

„Na ja. Es tut ja auch niemand etwas dagegen. Die Botschaft wird immer lauer verkündet, dazu kommt das Massenphänomen Glaubensverlust.“

„Es ist schlimm, dass sie recht haben. Ich kann Ihnen nichts dagegenhalten. Dafür versuchen jetzt die Progressiven die Partie zu retten, indem sie wieder einmal die Abschaffung des Zölibats verlangen.“

„Ich glaube eher, dass dadurch die bestehenden Beziehungen der Priester legalisiert werden. Sonst wird sich nicht viel ändern.“

„Ja, ja, alle dürfen zum Pfarrer Vater sagen, nur die eigenen Kinder nicht. Das meinen Sie doch oder?“, fragte mich der Alte zerknirscht lächelnd.

„Ach, wissen Sie, Herr Pfarrer. Ich finde eine solche Sichtweise kurzsichtig. Bei den Protestanten dürfen die Pfarrer heiraten. Frauen dürfen Pfarrerinnen werden, sogar Bischöfinnen. Und was ist die Folge? Denen laufen die Gläubigen genauso davon wie der katholischen Kirche.“

„Ja, es geht dem Ende zu“, jammerte der Pfarrer. „Stellen’S Ihnen vor, was mir gestern passiert is’. Da spielten türkische und arabische Buben vor meiner Kirche Fußball, eigentlich übten sie ein Elfmeterschießen. Die Kirchentür benützten sie als Tor. Es tuschte fürchterlich. Da musste ich natürlich eingreifen und die Bande verjagen. Wissen’S, was ich mir anhören musste?“

„Was?“

„Ein solcher Fratz meinte frech: ‚Geh Alter, reg’ di net auf, mein Papa hat gesagt, dass das eh bald alles uns gehören wird.‘ Die anderen Buben lachten boshaft.“

„Wie haben Sie darauf reagiert?“

„Zuerst hätte es mich gejuckt, dem Buben eine runterzuhauen, doch dann hab ich an mein Amt gedacht und gesagt: ‚Ja, fein, dann könnt ihr aus meiner Kirche eine Schule machen, in der man gutes Benehmen lehrt. Da mangelt es bei euch nämlich ordentlich.‘“

„Na ja, es gibt immer solche und solche. Man soll nicht verallgemeinern. Mein liebster Nachbar, den ich je hatte, war Türke – ein rücksichtsvoller, hilfsbereiter, überaus netter Mensch.“

„Ja, ja, kann schon sein“, sagte der Pfarrer frustriert. „Noch sind wir Christen in der Überzahl auf der Welt, doch in 20 Jahren wird es weltweit mehr Muslime geben als Christen. Hab ich gelesen.“

„Und irgendwann wird es den Muselmanen auch so ergehen wie den Christen; sie werden anfangen, ihre Religion zu hinterfragen. Das wird der Anfang vom Ende sein.“

„Das wär’ mir dann aber doch … irgendwie ... ziemlich wurscht“, grinste der Pfarrer.

© Reinhard Rinnerthaler