Wir sind Landsleute

  • 145

„Ich komme aus Österreich. Woher kommen Sie?“ – „Ich komme aus Kolumbien.“ – „Und Sie?“ – „Ich komme aus Philippinen.“ – Hm... Die Philippinen sind so ziemlich das komplizierteste Land der Welt, wenn es darum geht, sie in korrekte deutsche Sätze einzubauen. Gar nicht so einfach zu erklären.

Vor ein paar Wochen habe ich begonnen, in einem Salzburger Seniorenheim ehrenamtlich Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Meine kleine Gruppe besteht aus einer Kolumbianerin, einer Filipina und zwei Filipinos. Alle vier sind ausgebildete Pflegekräfte. Ich kann ihnen nur dankbar sein, dass sie nach Österreich gekommen sind. Wer weiß, vielleicht bin ich selber einmal auf sie angewiesen.

Die Grammatik schwächelt noch ein wenig, aber der Horizont ist weit. Seit wir festgestellt haben, dass wir Landsleute sind, ist der Horizont sogar so weit, dass die Sonne hinter ihm nie untergeht. Wie das? Eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert erhellt den Sachverhalt: Als die Spanier den nördlichen Teil Südamerikas kolonisierten und nach Christoph Kolumbus benannten, war Spanien ein Teil des Habsburgerreichs, folglich wurden die Kolumbianer Untertanen der „Casa de Austria“, wie die österreichische Herrscherdynastie auf Spanisch hieß. Ähnliches widerfuhr den Bewohnern einer Inselgruppe auf der anderen Seite des Globus. Die Spanier tauften den asiatischen Archipel nach Philipp II., einem Mitglied der „Casa de Austria“.

Liebe L***, liebe C***, lieber R*** und lieber J***, willkommen im Haus Österreich, dem ihr ohnehin seit fast fünfhundert Jahren angehört! Im Grunde seid ihr österreichischer als ich, denn Salzburg wurde erst 1816 Teil der Habsburgermonarchie.

© Renate Langer