Corona und Bier

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Ich habe früher nie Bier getrunken. Höchstens manchmal gekostet und für nicht gut befunden. Bitter. Geschmacklos. Wie kann man so etwas trinken, habe ich mir immer gedacht.

Nun waren wir kurz vor der Corona-Krise in der Brauerei Zwettl bei einer Besichtigung. Wir wurden durch das Lager und die Produktion geführt, haben einen riesigen Roboter bestaunt und waren beeindruckt von der Waldviertler Braukunst.

Im Anschluss gab es eine Verkostung von Zwickl und Lager mit einem kleinen köstlichen Imbiss.

Es schmeckte mir! Mein Schatz hat Bier immer schon sehr geschätzt und hat trotz meiner hochgezogenen Augenbrauen einen großen Vorrat der verschiedenen Biersorten eingekauft.

Nun ist es so, dass ich zum Waldviertel eine innige Beziehung hege. Meine bereits verstorbene Mutter ist in der Nähe von Zwettl aufgewachsen.

Wenn ich in Zwettl bin, erfasst mich immer ein Gefühl von Traurigkeit und auch von tiefer Verbundenheit. Ich stelle mir vor, wie meine Mutter als kleines Mädchen vor fast 100 Jahren mit ihren Eltern durch die Straßen gewandert ist, wie der Vater die Kinder mit dem Schlitten in die Schule gebracht hat. Mir wird bewusst, dass ich meine Mutter vermisse.

Nun haben wir die Corona-Krise. Es gibt auch ein Bier, das Corona heißt.

Plötzlich schmeckt mir Bier besonders gut. Muss ich mir Sorgen machen? Heute beim Frühstück aß ich ein Brot mit Leberaufstrich. Da sagte ich zu meinem Schatz: „Ein Bier würde da wirklich gut dazu passen.“

Natürlich habe ich keines getrunken! Zum Frühstück! Ich trinke auch zum Mittagessen meistens nur ein Seidl. Höchstens ein Krügerl.

Kein Angst! Ich neige in meinem fortgeschrittenen Alter nicht zur Sucht. Die Nikotinsucht habe ich vor langem überwunden und ein Buch darüber geschrieben.

Als ich heute mit meinem Schatz den Unterschied von Zahlung mit Bankomat-Karte oder per Handy in Bezug auf Hygiene und mögliche Virusübertragung erörtern wollte, meinte er nur, ich hätte ihn einmal gebeten, ihm zu sagen, wenn ich wie mein Vater übertrieben reagiere. Mein Vater hat uns immer mit seinen Gesundheitsregeln genervt. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm…

Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal einem beeindruckenden Vortrag von einem Bierpapst in der Apotheke gelauscht habe. Ein Arzt, der über die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Bierkonsums aufgeklärt hat. Damals habe ich versucht, ab und zu ein Gläschen zu trinken, bin aber bald wieder davon abgekommen, weil es mir einfach nicht geschmeckt hat.

Und jetzt! Ich liebe Bier! Warum? Schmeckt das Zwettler Bier einfach besonders gut? Oder ist es der Zusammenhang mit dem letzten schönen Ausflug vor der Corona-Krise? Oder mit meiner Mutter?

Oder hat sich in meinem Unterbewusstsein das Wort Corona mit Bier verknüpft?

Alles möglich. Es schmeckt mir jetzt einfach!

#CorCooning

© Renate Schmied