Die Augen der Ornella Muti

Gestern war wiedermal so ein Tag der Erinnerungen die man tief im Herzen trägt, der verschiedenen Erkenntnisse und der Zeichen von Oben...

Als ich zu meinem Kraftplatz hochwandelte, war ich in einer schwer erklärbaren sentimentalen Stimmung. Es durchströmten mich bunt gemischte Emotionen, das berühmte lachende und weinende Auge sozusagen.

Mit dem roten Kerzerl in Händen, welches ich anlässlich des Geburtstages des verstorbenen guten Freundes Toni mithatte, kam ich atemlos oben an. Sofort entzündete ich es am dafür vorgesehenen Plätzchen in der alten Steinmauer.

Da es schon etwas später war und die Sonne nur noch sehr dezent durch die hohen Baumwipfel drang, suchte ich mir alsbald die einzigste Stelle an die noch wärmende Sonnenstrahlen fielen, weiter hinten beim Bankerl vorm Holzhütterl, wo ich normalerweise nie Platz nehme.

Ins Gebet vertieft, erschien mir Tonis Bild, sogar seine Stimme zog für Bruchteile von Sekunden durch meine Erinnerung. Ich flüsterte gen Himmel wie sehr ich unsere langen Briefe und Telefonate vermisse.

Dann erschienen mir noch meine liebsten Menschen im Gedanken, die zwar am Leben, jedoch momentan fern sind.

Tränen kullerten über meine Wangen, als ich mich plötzlich aus unerklärlichen Gründen nach links hinten zum Gitterzaun umdrehte, so als zöge es mich dahin.

Mit den nassen Äuglein blickte ich auf etwas, das dort glitzerte und ging näher, um es klarer zu sehen. Ein Glasherz mit kleinem Sprung am Spitzerl - mit einem silbernen Bändchen ans Gitter angebunden!

Ich berührte es und fühlte mich wie von unsichtbarer Wärme eingehüllt. "Ein Zeichen", dachte ich sofort dankbar zu mir.

Die letzten Sonnenstrahlen fielen seitlich auf mein Gesicht, zogen sich über meine feuchten Augen bis hin zum Glasherzerl.

Just in diesem Augenblick durchzuckte mich urplötzlich eine Erinnerung, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte, denn ich sah mich zurückversetzt an einen sonnigen Tag vor Jahren, an dem ich mit meinem "Prinzen" einen Spaziergang machte. Alle paar Meter blieben wir stehen, weil wir so herumalberten und sein Telefon ständig klingelte.

Die Sonne fiel damals genauso seitlich auf mein Gesicht, als er mich aufeinmal anstarrte, herumwirbelte und rief: "Deine Augen...!" Ich fragte verdattert, was denn damit sei?

"Deine Augen sehen aus wie die von Ornella Muti, sie ist mein absoluter Liebling, all ihre Filme sah ich, auch die mit Adriano Celentano", rief er ganz aufgekratzt, mich küssend!

Ich war etwas sprachlos, denn bereits Jahre zuvor hatte jemand gemeint, dass so eine Ähnlichkeit zwischen meinem und Ornella's Antlitz zu erkennen sein soll. Naja?! :-)...

So trat ich dann mit einem lächelnden und weinenden Auge, beseelt von den wertvollen Momenten am Kraftplatz, den Heimweg an und dachte mir - dass ich mir nie vorstellen hatte können, wieviel Liebe man für einen Menschen empfinden und wiesehr man ihn vermissen kann, wenn er rund um die Uhr zu beschäftigt ist, um gemeinsame Zeit zu verbringen ...

© RENAvonRAVENSTEIN