Merci Mahdi مرسی ...

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Heute erkundigte ich mich per SMS, wie es ihm denn so gehe in diesen Tagen der Virus-Einschränkungen, ob ihm sehr langweilig sei zu Hause? Er antwortete in perfektem Deutsch: "Mir geht es seeeeeeehr gut. Ich arbeite!"

Auf meine erstaunte Nachfrage, ob er Gartenarbeiten verrichte - mit Grüßen samt dem Wunsch, dass er gut auf sich aufpassen solle, antwortete er: "Nein, im Supermarkt, Montag-Samstag von 8-18 Uhr! Bleib Du bitte auch gesund!"

ER, das ist Mahdi, ein ehemaliger persisch-afghanischer Flüchtling, der seit nunmehr 5 Jahren in Österreich lebt und immer noch auf einen Bescheid wartet, was zeitweise zur wahren Nervenzerreißprobe für ihn wird und Depressionen auslöste.

Mahdi "schneite" vor fast 2 Jahren in mein Leben, als ich einen starken Mann für Umpflanzarbeiten in meinem Gärtchen gesucht hatte. Eine Bekannte fand auf einer Nachbarschaftshilfe-Seite ein passendes Inserat und schickte mir dieses zu. So wählte ich alsbald die Telefonnummer und fragte an. Ein ernst wirkender, stiller Herr meldete sich. Dass er orientalischer Herkunft war, schätzte ich richtig ein und wagte es mit ihm einen Termin zu vereinbaren.

So erschien er also dann, mit einiger Verspätung, an einem strahlend sonnigen Tag im Mai in meinem Gärtchen. Da eine Freundin zu Besuch war, hatte ich keine Bedenken den fremden Mann zu empfangen.

Ich war jedoch ziemlich irritiert, als ich öffnete, weil sein asiatisches Erscheinungsbild nicht zum "arabischen" Namen paßte.

Nachdem der schüchtern wirkende junge Herr, die Arbeit sehr flott erledigt hatte, boten wir ihm noch Kaffee und Kuchen an, was er dankbar annahm. Plötzlich begann er sich zu öffnen, erzählte aus seinem Leben, in dem er einige Strapazen zu ertragen hatte. Beim Verabschieden bat er mich, ob ich ihm vielleicht beim Deutschlernen helfen könne, da er sehr leicht übers Kommunizieren lernt. Ich war etwas unsicher, da man in den Medien ja allerhand Negativschlagzeilen über Afghanen hörte. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte ich dann zu, richtete es jedoch vorsichtshalber so ein, dass die Treffen nie ganz alleine stattfanden.

Nebst Deutsch-Leseübungen, machten wir kleine Ausflüge und erzählten uns vieles aus unseren Leben - von Hobbys, Speisen, Ausbildungen usw. Ich erfuhr einiges über seine Kultur, Traditionen, seinen Geschäftssinn und er versuchte seine zwiespältigen , zerrissenen Emotionen in Worte zu fassen. Ich verstand es genau, denn ich spürte mit dem Herzen hinein.

Es war wirklich nicht immer leicht für mich, richtig umzugehen mit der einen oder anderen auftauchenden "Schwierigkeit", aber nach einer längeren Kontaktpause und wichtigen Erkenntnissen, können wir uns heute auf freundschaftlicher Augenhöhe begegnen.

Mahdi hilft auch meiner Mom gerne bei schwerer Gartenarbeit, wie Heckenschneiden und freut sich übers gute Essen danach. Wenn man ihn um Hilfe bittet oder etwas braucht, dann ist er immer da.

So wie nun, fleißig bei der Supermarkt-Krisenhilfe ... Merci Mahdi!

© RENAvonRAVENSTEIN