Valentina's Reiseabenteuer

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Valentina's Reiseabenteuer | story.one

Als ich Kind war, gab es oft Besucher in unserem Haus. Es wurde immer viel und herzlich gelacht, wenn alle ihre Geschichten von Früher zum Besten gaben. Oh, wie oft mußte Mama von ihren Reiseerlebnissen erzählen und ich durfte jedesmal aufs Neu schmunzeln, weil damals alles so romantisch, fröhlich und vor allem harmlos war.

Als Mama 20 Jahre alt war, ging sie zusammen mit ihrer Schwester, sowie einer kleinen Reisegruppe auf Bildungsreise nach Rom. Die Reiseleiterin war eine Historikerin. Das Highlight - eine Audienz beim Papst - die ein unvergessliches Ereignis war, sollte nicht das einzige beglückende Erlebnis werden.

Bei einer Reise bereits 2 Jahre zuvor, als die Schwestern an der Adria relaxten, lernten sie 3 reizende Italiener mit den wunderschönen Namen Giorgio, Alfredo und Vittorio kennen. Die 2 Strandnixen spielten Karten mit den Burschen und erzählten sich mit Händen und Füßen aus ihrem Leben. Sie erfuhren, dass Giorgio beim Film arbeitete, Alfredo einen Frisörsalon führte und Vittorio Fahrschulbesitzer war, tauschten dann Adressen aus und wollten sich wiedersehen, was 1967 während dieser Reise glückte.

Die Italiener zeigten den Mädels ganz Rom, inklusive Filmstudios, luden sie täglich in Spitzenlokale ein. Da sie Mom's althochdeutschen Namen nicht gut aussprechen konnten, tauften sie sie kurzerhand in "Valentina" um. Auch "Cleopatra" rief man sie oft, da ihre Frisur der der Göttin glich.

Mama und Tante riefen einmal vom Hotel aus bei Giorgio an, um sich zu verabreden. Am Apparat meldete sich dessen Mutter, die nur italienisch sprach und ganz nervös rief: "La Mama, la Mama!" So mußte der freundliche Portier als Dolmetscher fungieren.

Dann überraschte Mom ihren Verehrer Alfredo ganz spontan in seinem Frisörsalon. Er war grad dabei einem Buben die Haare zu schneiden und war so verzaubert, als er seine "Valentina" erblickte, dass er an den Haaren des Kleinen so lange weiterschnippelte ohne wirklich hinzusehen, dass er ihm fast eine Glatze zauberte! Mama amüsierte sich natürlich köstlich bei diesem Anblick und trägt diesen herzerwärmenden Moment bis heute lächelnd im Gedanken. Der Figaro hatte sich so schwer verliebt in sie, dass er im Geheimen sogleich Zukunftspläne, inklusive Hochzeitsgedanken schmiedete und sich sogar schon auf Wohnungssuche begeben hatte! Mama fiel aus allen Wolken, denn sie ahnte von alledem ja nichts, da sie es nur als harmlose, nette Flirterei angesehen hatte. Sie hatte ihren speziellen strengen Vorsatz und der hieß - ich heirate nie vor 25! An dem hielt sie eisern fest, leider, deshalb heiratete sie dann später meinen Vater, den absolut falschen Mann. Wer weiß wie ihr Leben sonst verlaufen wäre.

So ging ein wunderschöner Urlaub zu Ende, den glühenden Verehrer sah Mama leider nie wieder. Eine Zeit lang schrieben sie sich noch Karten, doch diese Verbindung riss eines Tages auch ab, was ich ewig schade finde.

Vielleicht sollte ich mich ja mal heimlich auf Suche begeben nach Alfredo ...

© RENAvonRAVENSTEIN