Die Weisheiten der Lehrer

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Unsere Lehrer wurden mitunter mehr oder weniger lustig benannt. Wer kennt sie nicht – die Spitznamen von Lehrern. Diese erhalten aber nur jene, die sie wirklich verdienen und so auch im Gedächtnis bleiben. Die meisten kennen sie wohl auch und sind insgeheim stolz darauf.

Einer meiner Lehrer erzählte uns sein Spitzname sei „Huschi“. Vor gefühlten und erzählten 100 Jahren habe er mal gemeint, es sei so huschi kalt draußen und daraufhin verpassten ihm seine Schüler diesen Namen. Naja – dass er uns das gleich in der ersten Unterrichtsstunde mit ihm erzählte, ließ ihn bei uns schon irgendwie durchfallen. Wir nannten ihn auch gelegentlich „huschi“, meinten das aber anders.

Es gab auch noch den „Boppel“. Warum der so genannt wurde hat er uns nie verraten, unsere Generation der Schüler kannte den Ursprung dieses Spitznamens nicht mehr. Wir nannten ihn trotzdem so – selbstverständlich nur, wenn wir dachten, dass er uns nicht hören könne. Beim Boppel hatten wir Kochen und Ernährungslehre. In einer Unterrichtsstunde sollten unter anderem Austern verarbeitet werden. Der Boppel verlangte von jedem von uns, dass wir zumindest eine Auster roh verkosten. Einige meiner Klassenkameraden weigerten sich. Also versuchte der Boppel uns die Austern damit schmackhaft zu machen, dass er uns erklärte, sie wären als Aphrodisiakum bekannt. Ähm ja genau – das erzählte er einer Horde von Jugendlichen, die gerade mitten in der Pubertät stecken und sowieso nicht wissen wo hin mit den ganzen Hormonen.

Eine ganz tapfere Mitschülerin, die sich sowohl gegen die Austern als auch gegen den Hormonschub wehren wollte, wandte ein „Wir wohnen aber doch alle im Internat, was soll uns ein Aphrodisiakum da nützen?“ Darauf sagte der Boppel: „Wo ein Wille ist, ist auch immer ein Gebüsch!“

So wurden alle Versuche der Erzieher uns pubertierende Jugendliche vom Sex fernzuhalten ausgerechnet von einem Kochlehrer unterlaufen, der uns nur dazu bringen wollte, dass wir rohe Austern probieren.

© rennschneck 22.09.2019