Das UFO beim Meiselmarkt

  • 100
Das UFO beim Meiselmarkt | story.one

Der Krimi mit dem enttäuschenden Schluss war ausgelesen. Jetzt, drei Uhr nachts, sehe ich zum Fenster hinaus. Sterne, also wird es morgen ein unbewölkter, kalter Tag sein. Mitten am Platz vor dem Fenster ist eine sechs Meter im Durchmesser schüsselartige Scheibe zu sehen. Metallisch, leicht glimmend. Was hat sich die Gemeinde da wieder ausgedacht? Eine untersetzte Figur hat mich erblickt und winkt mir zu.

„Kommen bittee!“, höre ich diktatorisch in meinem Kopf. Folgsam ziehe ich Schuhe und Jacke an und gehe nach unten. Bei der Eingangstür wartet schon die Gestalt.

„Gruß Sie, Herr Mensch. Wir sind vom Planeten Greno, haben die kleine Galaxis-Ost-Tour mit dem Kreuzfahrtschiff Fulgo gebucht und meine Freundin und ich haben den fakultativen kleinen Landausflug Erde inklusive Wasserverkostung hierher unternommen.“

Der Typ hatte die Figur eines schlanken grünen, aufrecht stehenden Frosches, etwas kleiner als ich, aber mit kräftigen, buckligen Oberkörper. Die rote Jacke, etwas eng, passt sehr gut zu seiner grünen Haut. Um den Hals hatte er zwei kleine Kästchen hängen. Unterhalb war er nicht bekleidet, aber bei Donald Duck hat es bis jetzt auch niemand gestört.

„Gegoogelt, Wien beste Stadt zum Läben auf Erde sein und gefunden, dass fünfzehn Bezirk Wasserwelt hat. Da!“

Froggy deutete mit einem langen dünnen Finger auf den Platz.

„Wo Wasserwelt?“

Man beachte: Ich reagiere, als würde ich jeden Tag mit UFO-Leuten parlieren. Ich spreche zu ihm, wie ich mit den Leuten im Meiselmarkt rede.

„Lieber Froschmann, sie haben einen veralteten Reiseführer. Der Leopold-Mistinger-Platz ist vor 2 Jahren modernisiert worden, die Brunnen sind entfernt, dafür haben Sie jetzt ein schönen mit Steinplatten ausgelegten Parkplatz für ihr UFO. Aber“, ich beugte mich vertraulich zu ihm „Ich habe einen Tipp für Sie: südlich, ungefähr zwei Kilometer entfernt, gibt es einen kleinen Fluss, er ist über dreißig Kilometer lang und bietet alles, was sich froschartige nur wünschen können, sogar noch mehr!“ flüsterte ich verheißungsvoll.

„Serr gutt. Wenn Fluss schön, werde ich Reisebüro empfehlen. Danke Herr Mensch! Wiedersehen. Müssen Zeit nutzen.“

Froggy hüpfte zum UFO. Aus der Klappe lugte Froggine, beide winkten nochmal und ab! Die Schüssel hob sich in die Höhe und zischte in den Süden.

Ich verstehe das nicht. Das passierte letzten Jänner in der Nacht und kein Mensch hat mir bis jetzt die Geschichte geglaubt. In die Psychiatrie wollten sie mich schicken und die Skeptiker haben mich aus ihrer Vereinigung ausgeschlossen!

Tja, Fake News glaubt heutzutage jeder, aber mein wahrer Bericht wird ignoriert.

© Richard Wissinger 07.03.2020