17 Jahre

An einem herrlichen Sommerabend sitze ich im Do&Co bei der Albertina und warte auf sie. Der Kellner hat mich wiederholt gefragt, ob er schon etwas bringen soll, aber ich habe verneint. Ich bin es gewohnt zu warten.

Und plötzlich kommt sie, eine halbe Stunde verspätet, unglaublich schön in einem rosaroten Sommerkleid. ''Tut mir soo leid, verzeih!" Schon verziehen, mir geht es gut hier. "Was essen wir?" Sushi, wunderbar, ich liebe Sushi. Und einen Muskateller.

Wir reden über Belangloses. Wir fremdeln immer, wenn wir uns lange nicht gesehen haben.

Ich schaue sie lange an. Sie legt den Kopf leicht schief. "War doch gar nicht so schwer, ein Date mit mir zu bekommen?" "Nein, hat nur 17 Jahre gedauert!" Sie wirkt auf einmal berührt.

17 Jahre e-mails, von denen aus Prinzip nur jedes dritte beantwortet wird. 17 Jahre Telefonate, lange und kurze, genervte und fröhliche, wahrhaftige und eitle. Vergebliches Warten nach ihrem unbeschwerten „Ich ruf dich gleich zurück“. Manchmal faucht sie, dann ist sie wieder sanft und zutraulich. SMS, die mich glücklich machen und verstören. Kindische Freude, wenn ihr Vorname in einem Kino-Abspann auftaucht. Oder auf einem vergessenen Rucksack in Spitzbergen. Dann wieder lange Pausen. 17 Jahre Sehnsucht.

Wie vertraut wir uns doch geworden sind.

"Jetzt sind die Lipizzanerfohlen unten im Garten, die dürfen im Sommer immer raus!" Vergeblich suchen wir nach den schönen Pferden. "Du hast mir versprochen, dass du mir deine neue Wohnung zeigst!" erinnere ich sie. Aber sie weicht aus, es ist nicht aufgeräumt, ein anderes Mal. Nein. Jetzt bleibe ich hartnäckig.

"Aber nur auf einen Kaffee", sagt sie. Ja, gut. Die neue Wohnung ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Tolles Licht, die Toskana Bilder, die ich schon so lange kenne. Der Kaffee steht vor mir, die Zeit läuft. Ich lasse den Löffel in der Tasse. Sie nimmt ihn bestimmt heraus. Stilles Einverständnis.

Was ist das mit uns? "Gar nichts!" hat sie irgendwann einmal gesagt. Aber für gar nichts sind 17 Jahre ziemlich viel.

Bevor ich gehe umarmen wir uns. Einen kleinen Augenblick zu lange lasse ich meine Wange an ihre Wange gelehnt. Heute weicht sie nicht zurück. "Ich hab dich lieb!" sage ich ihr zum Abschied und verschwinde in die Nacht. Am Weg zur U-Bahn Station klopft mein Herz wie wild.

Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.

© Rick