Schivergnügen

Der Blick aus dem Fenster zeichnete mir ein breites Grinsen ins Gesicht. Auf dem Auto lag beinahe ein halber Meter Neuschnee. Ich ging hinaus und der Schnee knirschte unter den Schischuhen. Herunten war es noch bewölkt. "Owa om kimmt sicha d´Sunn ausse." prophezeite die freundliche Dame durch das Schikartenverkaufs-Fenster. Sie sollte recht behalten. Im Doppelsessellift fuhren wir zu zweit hinauf auf den knapp zweitausend Meter hohen Gipfel. Es war pures Schivergnügen mit herrlichen blauem Himmel. Wir tauchten wieder ein in die Welt der zwei Bretter. Die ersten Schwünge zogen sich fast von alleine auf der perfekt präparierten Piste in dem so ursprünglich wirkenden Schigebiet.

Zu Mittag kehrten wir ein. Viele Hütten wurden schon über Generationen bewirtet. Mit Handschlag begrüßt, fühlten wir uns sofort willkommen wie im eigenen Wohnzimmer. Wir setzten uns dorthin wo Platz war, auch wenn es keinen freien Tisch gab. So zwängten wir uns eben ein wenig zusammen. Die Dialekte vermengten sich. Auf kleinstem Raum entdeckten wir dabei viele verschiedene Farben der Mundart. Neben dem Pinzgauer Dialekt hörte ich etwa nordisches Plattdeutsch oder die bayrische Mundart. Vor der Bestellung wurden aber erst noch einige Anekdoten zum Besten gegeben. Auch die vielen Fotos an den Wänden zeugten von Geselligkeit und ausgelassener Stimmung. Der Spaß sollte hier die Alltagssorgen vertreiben. Hüttengaudi.

Tempo raus, Genuss rein ist das Motto des kinderfreundlichen Schigebietes. Natürlich hielt ich mich daran. Nur bei der eigens abgeschirmten Rennstrecke konnte ich mich nicht zurückhalten. "Permanent race course - free charge for everybody" las ich auf dem Hinweisschild. Und schon fand ich mich in dem kleinen Starthäuschen wieder. Lange war es her, dass ich gegen die Stoppuhr ein Schirennen fuhr. Rotes Tor, blaues Tor, nach zwanzig Toren stoppte die Zeituhr. Ich fühlte mich etwas unsicher und rutschte auf dem steilen Gelände. Daher musste ich auch die Geschwindigkeit drosseln, um nicht völlig aus dem Kurs zu fahren. Lustig war es trotzdem.

Tempo raus war auch die Devise einer kleinen Nachwuchsgruppe der örtlichen Kinderschischule. Langsam, aber sicher und voller Euphorie kurvten sie der Schilehrerin hinterher. Waren das etwa schon die zukünftigen Weltcupsieger? Eher nein, sie wollten einfach nur Schifahren lernen. Und unwillkürlich fühlte ich mich kurz an meine Kindheit zurückversetzt. Ich konnte mich noch gut an meine ersten Versuche daheim mit den orangen Holz-Schiern erinnern.

Am Dachsteinmassiv spiegelte sich nun die Abendsonne wider. Die letzte Abfahrt kündigte sich an. Nach einem kurzen Schwatz mit dem Liftwart fuhren wir die letzten Kurven auf der breiten Piste hinunter. Und etwas müde und erschöpft kamen wir schließlich wieder an der Talstation an. Ich blickte noch einmal hinauf und genoss die Abendstimmung dieser herrlichen Winterlandschaft. Und ich schmunzelte. Glücklich sein kann so einfach sein.

© Robert Kalleitner