Prinzessin in der Sänfte

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Prinzessin in der Sänfte | story.one

Als ich an der Kreuzung steh um links abzubiegen, geht mein Auto plötzlich nicht mehr. Außer Leerlauf tote Hose. Hupen hinter mir, hupen neben mir und inklusive Straßenbahn ist der gesamte Verkehr blockiert. Aha. Was mach ich jetzt mit diesem Moment meines Lebens?

Ich probier ein bisschen dies und das, aber ohne Erfolg. Die Situation wird immer angespannter. Es handelt sich um eine der größten Kreuzungen Innsbrucks. Ich muss andere Taten setzen. Beherzt steige ich aus dem Auto. Um die Sachlage zu klären, tipp ich mir an die Stirn und dann auf mein Auto. Damit klar ist, dass das Fahrzeug spinnt und nicht ich. Nachdem ich doch einige irritierte Blicke ernte, fällt mir ein, dass es für so eine Erklärung ja ein professionelleres Zeichen gibt. Ich bück mich ins Auto und suche das rote Dreieck. Zufrieden beobachte ich, wie 4 orange Lichter rhythmisch blinken. Das wäre geklärt.

Dann versuche ich die Kontaktaufnahme mit dem Straßenbahnfahrer. Ich möchte ihn für eine gemeinsame Lösung des Problems gewinnen. Der öffnet mir aber nicht mal die Tür. Vielleicht ist er ja auch froh über ein Päuschen. Wobei, froh schaut er eigentlich nicht drein, eher unappetitlich. Mit dem will ich mich gar nicht zusammentun. Ich hab was Besseres verdient. Das findet auch der Himmel, in dessen schneestöbernde Hände ich mein weiteres Schicksal lege. Er schickt mir zwei wunderbare, mit Muskeln und einem liebend-gerne-Damen–aus- dem-Straßenverkehr–retten-Gesichtsausdruck ausgestattete Männer. Beglückt sitz ich hinterm Steuer während meine Helden mich im Fahrzeug von der Kreuzung rollen. Ich fühle mich wie eine Prinzessin in der Sänfte. Fast hätte ich erlaucht mit dem Handrücken den zuschauenden Autofahrern zugewinkt.

Meine Retter schieben mich direkt vors nächste Kaffeehaus. Zudem heißt die Straße noch Prinz Eugen Straße. Ich muss auch nicht lange auf meinen Prinzen warten. Im goldenen Öamtcwagen erscheint er zu Hilfe. Ich liebe ihn schon allein deswegen, weil er keine Miene verzieht, als ich ihm gestehe, dass ich schon über eine Woche mit drei gelben Alarmzeichen am Armaturenbrett herumfahre. Schließlich muss man ja auch nur bei den roten stehen bleiben. Bei den gelben kann man ja mal schauen, was sich so ergibt. Ergeben hat sich letztendlich eine sehr lange Liste von verstörten Sensoren mit komplizierten Namen und alles Mögliche, was ich schon wieder vergessen habe. Alarmierendes wie Getriebe, Bremsblöcke oder Zylinder war nicht dabei. Unbeeindruckt von der ganzen Aktion leuchten die gelben Warnsignale am Armaturenbrett weiter, aber das Auto geht wieder. Mein Prinz bietet mir an, mich nach Hause zu eskortieren.

Ernsthaft! Doch da rasten einige Sensoren bei mir wieder ein. Emanzen zum Rapport: königliches Trinkgeld an den Prinzen und mit Würde Abgang machen. Oder besser Abfahrt. Innerlich jedoch mache ich meinen galantesten Hofknicks vor meinen wunderbaren Rettern, die mir so eine unvergessliche Stunde als Prinzessin beschert haben.

© Roberta