Mutter

Mutter?

Sohn?

Mutter!

Was machen die Menschen in unserem Wohnzimmer?

Aber Mutter. Das ist nicht unser Wohnzimmer.

Doch. Schau nach!

Mutter.

Du bist in einem Heim.

Heim?

Aber warum sind hier fremde Menschen?

Mutter. Du musst essen.

Nein, ich habe genug gegessen.

Bitte!

Ich brauche kein Essen mehr.

Dann trinke, bitte. Ich habe dir Säfte gebracht.

Ich brauche kein Trinken mehr.

Schnitt.

38 kg Mutter. Mehr war von ihr nicht übrig geblieben. Menschenelend.

Von einer einstmals üppigen Geschäftsfrau. Mieder und Wäsche waren ihr Metier.

Den Alkohol hatte sie vergessen. Das Leben auch.

Als ich das Einzelzimmer betrat, war ein junger Pfleger mit Maniküre beschäftigt.

Trostlos. Sinnlos. Pervers. Business as usual.

Den Heimdirektor schickte ich zum Teufel. Schmierig und geldgeil. Ein Geier.

Wenige Tage später habe ich ihr Todesurteil bestätigt, welches sie selbst längst gefällt hatte.

Sie hörte auf, zu sein.

© Rochus Gratzfeld