Paris

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Paris | story.one

sagt Mann und Frau gleichermaßen, ist die Stadt der Liebe. Wobei auch Venedig nicht schlecht in Sachen Liebe. Amore, bella ragaza, Casanova, Ponte dei Sospiri und so, du weißt schon. Ich denke aber, dass sind Klischees, weil warum Paris und Venedig, warum nicht Novosibirsk, Mumbai oder vielleicht Sydney.

Ich bin mir ganz sicher, jeder und jederin hat eine Stadt an die er denkt, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht. Und da denk ich jetzt nicht an Fußball.

Es ist nun schon sehr lange her, als es mich von Bregenz nach Salzburg verschlug. Bregenz den Bregenzern und natürlich Innen, aber Salzburg, Salzburg für Jedermann und natürlich Jederfrau. Ich bin beruflich vor vielen Jahren nach Salzburg. Leider nur für 6 Monate. Warum leider? Pass auf: Nie wieder wurde ich in einer anderen Stadt - und ich war in vielen - so offenherzig und freundschaftlich aufgenommen.

Das erste, was ich zu sehen bekam, war Schloss Klesheim. Dort um Geld zu machen. Aber nicht vor, hinter dem Rouletttisch. Die Kollegen extrem aufgeschlossen, ein besonders aufgeschlossener, hat uns nach Dienstschluss immer wieder mal im Schlosskeller eingeschlossen, um nicht alleine bis morgens die Bar leeren zu müssen. Frage nicht, riesen Bar. Untertags dann Kunst und Kultur, Festung, Geburtshaus, Getreidegasse, dem Altstadttreiben wegdriften im Café Tomaselli, Mozartkugeln in Mirabell, Domplatz mit Grönemeyer oder Moretti- beides ein Erlebnis, laufend um den Sender und Salzburg von oben. Gedankenverloren den Flugkörpern zusehend die um den Sender. Nächtens, wenn nicht im Schloss eingeschlossen, auch unterwegs, weil auch hier Kultur. Bierbraukultour bis zum Abwinken bzw. Dienstbeginn. Abrupt wird das Dienstverhältnis von Salzburg nach Wien verlegt.

Freie Tage, lange Wochenenden, kurze auch, dann natürlich immer wieder in die Stadt an der Salzach. Abstand vom Alltag. Mit Frau und Kindern. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, da weißt du gar nicht, was am schönsten ist. Radfahren oder spazieren am Fluss, Skifahren, Rodeln, Schneemannbauen oder einfach nur christkindlmarkten und spezereien bis Oberkante Unterkiefer. Möglichkeiten unzählige. Schon nach kurzer Zeit für mich die Stadt, in der Mann und Frau nicht einfach lebt, privilegiert, hier am Fuße des Mönchsbergs darf man leben. Genau, darf.

Unsere Herzen nicht verloren in Salzburg, an Salzburg schon. Ein Zeichen der Verbundenheit und Liebe, nicht nur für und an uns, auch an die Stadt in der wir gerne Zeit verbringen dürfen - das extra gravierte Herz. Fixiert an einer der zentrumsnahen, die beiden wunderschönen Stadtteile verbindenden, Salzach-Brücke. Jetzt natürlich ständige Kontrolle notwendig. Hängt es eh noch, oder hat es jemand entwendet, rostet es schon oder glänzt es nach wie vor wie die hinter dem Fluss und den Bergen untergehende Sonne. An der wir uns nicht satt sehen können.

Vielleicht ist Salzburg nicht ganz die Stadt der Liebe, unsere schon und ganz sicher Lieblingsstadt.

© Roland Kiefer