#freundschaft

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Vollzug | story.one

Jetzt wirst du denken, ich bin passionierter Bahnfahrer, wenn du liest, wie ich nach Salzburg. Bin ich nicht. Weil du musst wissen, was sich damals zugetragen hat zufällig.

Damals war 1990. Ein Freund musste zum Croupier Kurs nach Bregenz, aber davor noch die Nacht mit uns durchzechen. Was schon sehr witzig war. Noch witziger aber dann die Fahrt. Zumindest bis Salzburg sehr witzig. Nicht so witzig für ihn dann die Rückfahrt, denn der Kurs Nichtgenügend. Und kein Croupier, sondern Berufssoldat. Aber das ist eine ganz andere.

Für uns beide sehr witzig nur die Bahnfahrt. Da sitzt er also im 06.00 Uhr Zug nach Bregenz und denkt nach der Nacht nichts mehr. Und ich denk mir, so eine Verabschiedung wär doch nett. Auf zum Westbahnhof und rein in den Zug. Zum Glück find ich ihn auch wirklich gleich, wobei, wenn ich ihn nicht gefunden hätte, noch mehr Glück.

Was soll ich sagen, so eine Verabschiedung natürlich am besten im Speisewagen aus zwei Gründen. Der Erste: ich habe keine Bahnkarte und im Speisewagen nie Kontrolle, zweitens natürlich Frühstück. Wir bestellen uns ein Reparaturseidl und weil es schon wieder witzig wird, ein Zweites. Und dann passiert etwas Unerwartetes jedoch Planmäßiges: der Zug setzt sich in Bewegung und ich drin. Mein erster Gedanke - na sehr super. Aber weil eh lustig und ich keine andere Wahl, fahr ich halt bis St. Pölten mit und von dort wieder retour. Na und weil dann doch noch Zeit jeder noch ein klitzekleines Krügerl. Und dann rast da auf einmal St. Pölten an uns vorüber, weil erster Halt Linz.

Da fällt mir ein, dass meine Mutter in ein paar Stunden zum Essen angesagt ist und meine Freundin auch nicht genau weiß, wo ich bin. Handy damals Fehlanzeige. Wurst. In Linz beginnt´s denk ich mir und bestell noch eine Runde. Nicht nur ich, mein Freund bestellt zur Feier des Tages auch eine Runde und in Linz sind wir dann beide schon so voll, dass wir Linz registrieren, als der Zug den Bahnhof schon wieder verlässt. Nächster Halt Salzburg. Salzburg aber ganz sicher. Obwohl, nein, nicht ganz sicher, sondern Salzburg dann ganz ganz, ganz sicher. Aber bis dahin kann Mann ja bei einem gepflegten Glaserl noch ein bisl tratschen. Jetzt haben die bei der Bahn zum Glück sehr nette Mitarbeiter, weil wie wir dann nach gefühlten 10 Minuten in Salzburg, haben sie mich, der deutschen Sprache nicht mehr so ganz und immer noch ohne Karte, sehr freundlich aus dem Zug entfernt. Mein Freund weiter nach Bregenz. Ganz so toll hab ich das dann auch nicht gefunden. Mein ganzes Bares haben sie mir im Speisewagen abgenommen und am Ende vom Geld dann bitte aussteigen.

Jetzt willst du sicher wissen, wie ich dann nach Hause. Nachdem ich ein wenig ausgeruht habe, zuerst zum Bankomaten, dann Telefonzelle beichten, dann Ticket und in den nächsten Zug nach Wien. Und da sieht man wieder die Vorteile von einem Kopfbahnhof. Der denkt nämlich auch für die Kopf- bzw. Hirnlosen, weil am Kopfbahnhof ist immer Endstation, ob du willst oder nicht - und da fährt die Eisenbahn drüber!

© Roland Kiefer 14.10.2019

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