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Mein Weg, eine deutsche Geschichte

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Mein Weg, eine deutsche Geschichte | story.one

Wir sind die Summe unserer Erfahrungen, jeder von uns.

Ich, Jahrgang 1968, aufgewachsen in Ostdeutschland hatte Zweifel.

Als 14 J√§hriger in Dresden in eine kirchliche Gruppe hineingerutscht, konfrontiert mit anderen Sichtweisen als der staatlich verordneten, kam ich schon fr√ľh in Konflikt mit einem System, da√ü ich mehr und mehr ablehnte. Das Gef√ľhl von eingesperrt sein und der Bevormundung durch einen Staat der sich Deutsche Demokratische Republik nannte, der soviel mit Demokratie zu tun hatte, wie ein indisches Curry mit einem wachauer Heurigen, wurde st√§rker. Es f√ľhrte dazu, da√ü meine Mutter zum Direktor meiner Schule zitiert wurde um ihr mitzuteilen, da√ü ich wohl mein Leben am Rande der sozialistischen Gesellschaft werde fristen m√ľssen. Der Schritt zu einem Ausreiseantrag nach Westdeutschland war ein kleiner. Wir waren nun, von 1984 bis 1987 Staatsfeinde und Verr√§ter, mit allen Schikanen die dazu geh√∂rten. Im Februar 1987, genau am Geburtstag meiner Mutter, durften wir die DDR verlassen. Ich wei√ü heute noch, wie ich, im aus dem Dresdener Hauptbahnhof herausrollenden Zug, heulend zusammen brach und der ganze Druck der vergangenen Jahre, wie aus einem Luftballon entwich, den man mit einer Nadel zersticht.

Sch√∂ne neue Welt, wir kommen! Ich habe sie aufgesogen wie die W√ľste das Wasser wenn es mal regnet. Ich begann wieder mit der Schule und machte Matura. Noch in diesem Jahr sah ich das erste mal die Alpen, machte Interrail nach Schottland und war bei einem Sch√ľleraustausch in Frankreich, wo ich auch meinen 19. Geburtstag feierte. Es war elektrisierend! Alles wovon ich tr√§umte war nun m√∂glich! Nach meiner Matura ging ich nicht an die Uni, meine Mutter hadert heute noch damit, sondern machte eine Gastrolehre. Der Grund? Ich wollte in anderen L√§ndern leben und arbeiten k√∂nnen, nicht nur mal in den Urlaub dort hin fahren, das Land und seine Bewohner wirklich kennenlernen. Ich finde dass heute noch spannend! Wer kann schon von sich sagen,da√ü er schon mal in Dubai, Monte Carlo, Frankreich, der Schweiz und in London gelebt hat. Es hat mich gepr√§gt. Die Gewissheit, da√ü es √ľberall sch√∂n und h√§sslich ist, da√ü es √ľberall solche und andere Menschen gibt, da√ü es √ľberall anders ist als anderswo, da√ü hat mich gepr√§gt. Zu wissen was Abschottung, Ausgrenzung, Schikanen bedeutet, hat mich gepr√§gt.

Europa ist meine Heimat. Heute, 50 j√§hrig habe ich mein zu Hause gefunden. Ich habe selber zwei Kinder 7 und 13. Und jeder von uns ist in einem anderen Land geboren: Ungarn, Deutschland, Gro√übritannien und √Ėsterreich. Ich wei√ü welches Europa ich f√ľr meine Kinder will: ein offenes, tolerantes und demokratisches Europa, indem nicht die regieren die Angst machen und spalten wollen. Europa ist ein Gef√ľhl, eine Idee, die mir warm ums Herz werden l√§sst.

Mein Gro√üvater ist f√ľr die falsche Idee in Frankreich gefallen. Er war nur 32 und hinterlie√ü 3 Kinder die ohne Vater aufwuchsen.

Ich bin Vater, Sohn, Ehemann und Europäer deutscher Abstammung!

© Roland 2019-05-04

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