Abenteueranbahnung

Soeben hatte ich eine meiner schmerzhaftesten Trennungen hinter mich gebracht. Die Fahrschule und Führerscheinprüfung mit grösster Anstrengung geschafft. Aus irgendeinem Grund las ich die Kontaktanzeigen der Tageszeitung.Geschäftsmann sucht Studentin für Stadtführungen in Linz. Perfekt dachte ich. Keine Beziehung ... eventuell abends Essen gehen. Sendete meine Bewerbung samt Foto an die Chiffre-Nummer. Besorgte auch sogleich Unterlagen für Stadtführungen.

Tage später ein Anruf. Ob wir uns treffen möchten? Doch überrascht, Studentin war ich nun keine, sagte ich zu. Ein grosser, schlanker Mann erwartete mich in der Lobby. Nicht schön, aber interessant, sehr gepflegt. Ich wurde zum Essen eingeladen. Der Hotelportier eilte herbei und flüsterte Robert etwas zu. Wir müssen leider fahren meinte er. Die Klimaanlage seines Wagens schaltete sich nicht mehr ab.Nach einer halben Stunde standen wir vor dem Tor eines Fabrikgebäudes, der Portier grüsste höflich guten Tag Herr ...Das sollte sich später als wichtig erweisen. Moment, sagte Robert. Nach einigen Minuten erschien er wieder, mit einem anderen Auto.

Während der Rückfahrt nach Linz gab mir Robert zwei seiner Visitenkarten.

In der darauffolgenden Woche ein Anruf im Büro: Damenstimme, Herr.... möchte Sie zum Abendessen einladen. Herr... wird sie abholen. JA! Ich freute mich!Pünktlich zu vereinbarten Zeit läutete Robert an meiner Wohnungstür.Den sündteuren Cognac hatte ich für ihn besorgt. Einen Schwenker dazu. Wir kamen uns näher, wurden intim. Später fuhren wir los, aufs Land. Ein kleines, sehr unauffälliges Restaurant. Die Speisenkarte so vornehm, dass ich sie nicht lesen konnte. Ich schämte mich. Bestellte dann aus Verlegenheit dasselbe wie Robert. Kannst du drei Wochen Urlaub nehmen fragte er mich. Nein, soviel habe ich heuer nicht mehr. Kannst du um Urlaubsvorschuss ersuchen? Ich hätte gern, dass du mit mir nach Amerika kommst. Ich dachte gar nicht daran. War wohl sowieso ein Scherz.

Zwei Wochen vergingen, bis sich Robert wieder meldete. Bei diesem Treffen schob er mir ein Flugticket nach New York zu. Vermutlich wurde ich rot an den Wangen. Meinen Reisepass brauche er für das Visum.

Tags darauf besuchte ich meine Lieblingstante. Erzählte das Unglaubliche. Was soll ich tun fragte ich sie. Na mitfahren, ganz klar! Ich übergab ihr Roberts Visitenkarten.Damit du weisst, wo ich bin Dank dem Autotausch wusste ich zumindest verlässlich, wo er arbeitete.. Nun klärte ich die Sache mit dem Urlaubsvorschuss. Von der Bank besorgte ich mir einen Reisescheck, für eine eventuelle Flucht. So begann mein Abenteuer mit Robert.

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