Mit der Maske kamen Einsamkeit und Angst

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Mit der Maske kamen Einsamkeit und Angst | story.one

Photo by - Christian Holzknecht

Wir wollten euch nah sein – warum Handschuhe tragen, wenn wir eure Hände halten?

Das ist nicht unser Verständnis von fürsorglicher Pflege. Jetzt hat man euch bereits die Besuche eurer Angehörigen gestrichen und wir sollen nun auch noch Abstand von euch halten?

Es hieß – den Körperkontakt auf ein Minimum reduzieren.

So der Leitfaden.

So jedoch nicht wir.

Wir tragen keine Handschuhe, wenn wir eure Hände halten. Wenn ihr Halt sucht, in dieser bedrohlich turbulenten Zeit versuchen wir über unsere Augen mit euch hoffnungsvoll zu kommunizieren.

Ihr sucht unser Lächeln.

Ihr merkt wie verhalten wir uns auf einmal bewegen … auch unser Lachen ist verstummt, begraben unter Anordnungen und Sicherheitsmaßnahmen.

Die lodernde Angst begleitet uns in dieser Zeit wie ein überladener Rucksack. Wir machen uns gegenseitig Mut. Versuchen rational jegliche Gefahr abzuwägen. Versuchen mit Mutparolen immer wieder aufs Neue Kraft zu tanken.

Die Angst in euren Augen – wie können wir stark sein, wenn unsere Partner und Kinder zu Hause sich Sorgen um uns machen? Dürfen wir umarmt werden, wenn wir müde nach dem Dienst zu Hause ankommen?

Wie kann dieser unsichtbare Virus .. so tiefe Angst in unser Arbeits- und Privatleben bringen?

Und dann dieser Befreiungsschlag – wir können es nicht mal an einem Datum festmachen.

Plötzlich wich die bohrende Angst .. einem verhaltenen Anflug von Mut … die Gespräche wurden wieder lauter … das Lachen befreiender … die Zeit versöhnlicher … bei Verdachtsfällen haben wir kühn und nach Leitfaden reagiert.

Wir wurden lauter und wieder stärker. Wir wurden von euch Bewohnern gesucht und wieder gefunden.

Wieder in unserer Kraft … wieder in unserem Wirken … wieder mit einem Lächeln im Gesicht

Eure Pflegekräfte

© Rosaria Helfer 30.06.2020