Pssssssstttt ... hörst du diese Stimmen?

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Pssssssstttt  ...  hörst du diese Stimmen? | story.one

Ich weiß nicht mehr genau, wie es vor ca. 2 Jahren dazu kam, dass ich auf diese Facebook-Gruppe "Pro Kinder Onko" in Vorarlberg aufmerksam wurde.

Ich erinnere mich jedoch nur zu genau daran, wie mir Tränen die Wangen runterrollten, erinnere mich nur zu genau, wie betroffen ich ab dem schweren Schicksal der betroffenen Kinder mit deren Familien war.

Ich konnte es einfach nicht glauben, dass so eine gut funktionierende Onko-Station in Dornbirn nicht weitergeführt werden sollte - konnte es mir einfach nicht erklären, zumal ich ja wusste, wie gut betreut diese schwer erkrankten Kinder dort gewesen waren.

Ich stürzte mich, gemeinsam mit meinen Mitstreiterinnen, weiter in Recherche-Arbeiten, organisierten eine Demonstration - liefen von Pontius bis Pilatus - wir leisteten alle Übermenschliches im Bewusstsein, dass wir für diese kleinen Opfer an vorderster Front zu kämpfen hatten- wir schenkten ihnen unsere Kraft.

Je mehr ich recherchierte, desto wütender und anklagender den verantwortlichen Entscheidungsgremien gegenüber wurde ich. Mein Groll, mein Unverständnis hielt mich sogar Nächte wach.

Wie kann es geschehen, dass diese an Krebs schwer erkrankten Kinder, in so einem grundsätzlich reichen Land wie Österreich als Bauernopfer für strategische und betriebswirtschaftliche Lobbyspiele geopfert werden?

Ich tippe diese Zeilen und schon wieder blutet mir das Herz, schon wieder weine ich. Zu diesen Tränen gesellt sich heute jedoch noch viel mehr Wut dazu.

Ich will nicht wütend sein, wütend sein macht müde, schränkt mich in meinem Bewegungsradius meiner konstruktiven Gedanken ein.

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2020, ich schaue aus dem Fenster und betrachte die Blätter im Windspiel, umrahmt von einem grauen Wolkenmeer im Hintergrund.

Ich finde diese ungeahnte Ruhe in mir – nehme an, dass mich meine aufblitzenden Gedankensplitter traurig machen – traurig nicht wütend - und tippe diese Zeilen.

Mittlerweile nennt sich diese Gruppe „Eine Stimme für dich – Vorarlberg hilft“.

Leider sind die Sorgen der betroffenen Kinder und Familien nicht geringer und dies, obwohl so viele Versprechungen gemacht wurden, die nicht eingehalten wurden. Wozu denn auch, eine kranke Kinderstimme wird schnell in diesem lauten, hektischen und kalkulierenden Alltagszirkus überhört.

Heute ist Sonntag – ich bin ruhig still in mich gekehrt – bin so still, dass ich diese Stimmen wieder höre.

Ich höre sie und viele andere auch.

© Rosaria Helfer 24.05.2020