Baumklettern in den Wiener Parks

Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, fallen mir die Wiener Sommer und die Parks am Stadtrand ein. Ich hatte einen besten Freund, der mich zum Baumklettern mitnahm. Es war ein eher unübliches Hobby. Ich wusste nicht einmal, ob es verboten war, auf die Bäume in den Wiener Parks zu klettern. Aber es war uns egal. Wir waren damals 15 oder 16 Jahre alt und hatten einen starken Bewegungsdrang.

Wir kletterten am liebsten auf Rotbuchen. Sie hatten eine glatte Rinde, was angenehm zum Greifen war, weil es keine Verletzungen auf der Hand hinterließ. Außerdem gingen die Äste im rechten Winkel vom Stamm ab. Das war praktisch, wenn man nahe am Stamm war, weil die Schuhe nicht eingequetscht wurden, und man konnte sich relativ weit vom Stamm entfernen, weil die Äste angenehm dick waren. Natürlich waren wir entsprechend gekleidet: Ich hatte einen schäbigen, dünnen Pullover und eine Trainingshose an.

Manchmal gesellte sich noch ein dritter Freund dazu und wir spielten fangen auf dem Baum. Die Regeln waren aber anders, als beim Fangen auf dem Boden. Das bloße Berühren des anderen, um ihn zum Fänger zu machen, wäre zu gefährlich gewesen. Deswegen hatten wir folgendes vereinbart: Wenn man entweder mit zwei Händen auf dem selben Ast hing, wo der andere hing, oder mit zwei Füßen auf dem Ast stand, wo der andere stand, wurde der andere zum Fänger. Sicherheit stand aber immer an oberster Stelle, und es ist glücklicherweise nie etwas passiert.

Manchmal keiften alte Frauen von unten: „Macht’s ma de Bama ned kaputt!“ Aber wir ließen uns nicht beirren.

Manchmal sprangen wir auch von Ast zu Ast. Aber das machten wir nur ganz unten. Man muss sich das so vorstellen: Einer stand auf einem Ast und sprang mit den Händen voraus zum nächsten und schaukelte sich dort aus. Auch hier ist glücklicherweise nie etwas passiert.

Nach einem Jahr merkte ich, dass ich Muskeln an Stellen hatte, wo ich nie geglaubt hätte, dass man Muskeln haben kann.

Heute könnte ich das nicht mehr, aber ich denke noch gerne an diese Zeit zurück. Und die Rotbuchen, auf denen wir kletterten, stehen immer noch.

© Rotbuchenbaum