Der Schlüssel auf der Hand

Ich muss wohl so ca. 12 Jahre alt gewesen sein, als meine Mutter beschloss, dass ich Autogenes Training lernen sollte. Sie war von dieser Entspannungsmethode begeistert und wollte mir wohl dessen Vorteile vermitteln. So ging ich also in einen Abendkurs zu einer Freundin meiner Mutter, die das unterrichtete. „Mein rechter Arm wird ganz schwer. Ich bin ganz ruhig.“ etc. Man sagt sich innerlich solche Sätze vor, während man auf dem Rücken liegt. Und es wirkte wirklich. Manche Teilnehmerin oder Teilnehmer, die nach anstrengender Arbeit zum Unterricht kamen, schliefen sogar während des Unterrichts ein und mussten aufgeweckt werden. Ich selber war noch Schüler gewesen und bin nicht eingeschlafen, aber man wird ganz schwerfällig und muss nach der Entspannung die Arme heftig bewegen, um die Schwerfälligkeit aus dem Körper zu vertreiben.

In einer Lernpause wurde getratscht und einmal sagte ein Herr, er würde etwas zeigen. Er legte einen Schlüssel mit Bart, also so einen altertümlichen Schlüssel, den man etwa zum Schließen eines schmiedeeisernen Tores verwendet, auf seine Handfläche. Erst ging es nicht und er musste die Position des Schlüssels ein wenig ändern. Dann sah ich, wie sich der Bart langsam von der Handfläche abhob. Ein Kind, wie ich war, berührte ich den Bart des Schlüssels und spürte einen Widerstand. Ich setzte mich wieder hin. Der Herr hatte wahrscheinlich magnetische Ströme in der Hand, denn der Schlüssel drehte sich auf der Hand und fiel anschließend wieder auf die Handfläche.

Autogenes Training aber habe ich in späteren Jahren nicht mehr gemacht. Seit ich erwachsen bin, schlafe ich sehr gut ein. Ich weiß gar nicht, wozu es gut sein soll und kann die Begeisterung meiner Mutter nicht verstehen. Aber die Begebenheit mit dem Schlüssel ist mir noch in Erinnerung.

Es würde mich natürlich interessieren, was Sie, geneigte Leserin und geneigter Leser von dieser Geschichte mit dem Schlüssel halten.

(Foto von Jametlene Reskp)

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