Dem Sylvester - Trubel entkommen.

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So Anfang der 90iger Jahre, knapp nach Mittag des 31. 12. , da habe ich meinen Rucksack gepackt, so alles reingestopft was für eine Übernachtung auf einem Berg erforderlich ist. Gut, Berg ist übertrieben, Ederplan, grad mal knapp über 2000 Meter hoch. Gelegen am Beginn der Kreuzeckgruppe, jener Höhenzug der das Drau- und Mölltal trennt. Fast bis zum Anna Schutzhaus, das knapp unterm Gipfel steht bewaldet. Was dermal anders war, ich hatte erstmals Gina, meine damalige Trioler Bracke Hündin mit für eine Winter Berg Übernachtung. Zwei Schlafsäcke, zwei Isomatten, die füllten den Rucksack fast bis zur Gänze. Gaskocher, Taschenlampe, Lawinenausrüstung, bisserl was zum Kochen oben, natürlich auch Hundefutter. Gina machte diese Tour nicht zum ersten Mal, sie ging seit der ersten solcher Art schön brav zwei drei Meter hinter mir in der Skispur. Beim allerersten mal war sie sehr nahe, und bekam immer die Skienden zu spüren, lernfähig wie sie war hielt sie seither Abstand. Wenn man so durch den Wald seine Spur nach oben zieht, rundum alles still ist, sich umdreht und ins Tal hinunter schaut, wie dort alles klein und kleiner wird, bekommt alles eine andere Wichtigkeit, das unten verschwindet, ist nur noch beiläufig, das Sein, das über den Dingen zu wandeln belebt die Stimmung. Oben dann, ca. 10 Meter unter dem Gipfel, da gibts eine kleine Senke, die war vollgeweht mit Flugschnee, nicht mehr als Senke erkennbar. Dort habe ich dann eine Schneehöhle gegraben. Sie war nicht groß, aber groß genug, mir und Gina Platz zu bieten, vor allem, da drinnen wars absolut ruhig. Der eisige Wind, der Schneekörner wie Nadelspitzen ins Gesicht wehte war aussen vor. Eine Isomatte für mich, eine für Gina, ein Schlafsack für sie, einer für mich. In einer Schneenische flackerte ein Kerzerl, zauberte tanzende Schatten an die Schneehöhlenwand. Gaskocher surrte, Suppe dampfte, nicht lange, dann war sie gegessen. Gina lag auf ihrer Matte am Höhleneingang, nagte an ihrem Kauknochen, Herrl genoß sein Bier, das zuvor mit warmen Wasser angewärmt war. Vor allem aber war da so grenzenlose Ruhe, Zufriedenheit, Gelassenheit, es gab nix Wichtiges, nur den Moment, entrückt vom Trubel der dann zu Mitternächtlichen Stunde da oben erst so richtig erkennbar war. Von da oben hat man einen Rundblick der ist sagenhaft, das Lienzer Becken,das Drautal, auf der anderen Seite das Mölltal Richtung Heiligenblut. Überall wie auf Absprache, auf einmal, rote, gelbe, grüne, und andersfarbige Feuerbälle, weit unter mir. Vom Knallen bekam ich nichts mit, der Wind da oben war lauter. Und überhaupt, das da unten ging mich ja nix an...

Nach gutem Schlaf, raus aus dem Schlafsack, Schnee geschmolzen Tee gekocht meine Sachen gepackt, Gina in den Rucksack gesteckt, Kopf oben raussehen lassen(sie fuhr immer so bei Skitouren ab, warum, erzähle ich vielleicht ein andermal) Skier angeschnallt, die ersten Schwünge,Genuss pur, noch einige mehr bis ins Tal, Rückkehr in den Alltag

© rustneversleeps