Ecuador...

Heute Vormittag, wie immer in meinem Lieblingsender Ö1 Ambiente, die Kunst des Reisens. Ich war gerade dabei meinen Tag irgendwie zu strukturieren, welche Arbeit steht Heute wann an. Dann so beilaufig die Sage vom einsamen Condor gehört, und schon war sie da, die ungnädige unbarmherzige Gier nach Ferne, nach dem Dahinter sehen, eine Eigenschaft die mich schon von Kindesbeinen an vorwärts prügelt...

...Da waren auf einmal die Erinnerungen an Theo, einen Auswanderer aus unserem Dorf, der nach Brasilien ging, um dort im Dorf Tirol eine neue Existenz aufzubauen... Besagter Theo war auf Heimatbesuch, bei uns in der Stube, alle wichtigen Verwandten und ehemalige Weggefährten waren da, viel wurde erzählt, von Früher, von Jetzt, von Da, und von Dort. Ein Knecht von uns, der "Alte Lois" ging in seine Gemächer, holte einen Schlüssel, sperrte damit einen Wandschrank auf in der Stube, holte die selbstgebaute Zither raus (was nur zu ganz gehobenen Anlässen der Fall war) drehte an den Wirbeln um sie zu Stimmen. Obwohl fast Taub, gab er einige Stücke zum Besten. Ich, damals glaube ich 9 Jahre alt, saß ganz Andächtig in einem Eck und lauschte der Geschichten. Was da alles gesprochen wurde, an das kann ich mich nicht mehr erinnern, nur ein Satz von Theo... Bevor ich ging, sagte er, stieg ich noch mal auf die Schlüsselspitze (grad ein paar Meter über 3000) um noch mal einen Blick zu werfen über die unendlichen Weiten...Diesen Satz, den hätte er nicht sagen sollen, der hat sich eingeprägt in mein Unterbewusstsein, dieser Satz, trieb mich an. Einige Wochen später, ich wollte da rauf, die unendlichen Weiten sehen, wissen was ist hinter all den 3000ern die uns umgaben und die Sicht in die Welt versperrten. Eines Sonntags, nach der Messe, ging ich, rauf auf den Groderberg, gut da war ich schon, auch auf dem Finsterwitzkopf, schließlich habe ich da meinen Pflegevater und die Alten begleitet und mitgeholfen beim Bergheu ernten. Dann aber, ein schmaler Grat, hoch aufragend die Schlüsselspitze. wenn ich ins Tal runter sah, fast senkrecht unter mir unser Hof, unser Dörfl. Aufkeimende Angst estickte die Gewissheit oben dann unendliche Weite zu sehen, also rauf... Je höher ich kam, um so mehr Zweifel kamen hoch in mir, wo? Wo ist sie? Die unendliche...Na gut, wenn Theo sagte ganz oben, dann halt ganz rauf... Ganz oben war nur Enttäuschung, ringsum, nur noch höhere Berge, zugegeben, sie sahen wunderschön aus mit ihren Gletscher überzogenen Mänteln die in der Sonne glitzerten, nur, was ist DAHINTER... Als ich wieder unten war im Tal, da bekam ich erst mal ein paar Fotzen, weil ich nichts sagend einfach losgegangen war. Auf mein ständiges Drängen und Fragen hin, erbarmte sich mein Pflegevater und führte mich auf den Höchsten Berg in unserer Region, den Großvenediger 3666 Meter hoch, war beeindruckend und schön, so am Höchsten Punkt. Aber! Was ist das Dahinter.... So laufe ich jetzt seit gut 60ig Jahren durch die Welt, und suche das "Dahinter"

© rustneversleeps