A Gurkn - Wunder unterm Christbam?!!

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A Gurkn - Wunder unterm Christbam?!! | story.one

"Wie feierst du eigentlich Weihnachten?", wollte ich von D. wissen. Da war ich nun, neugierig. Darauf, wie er feiert. Bei wem er feiert. Was er gerne macht an Weihnachten. Es sollte vielleicht in ein paar Wochen unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest sein. Weil seine Eltern schon lange geschieden waren, konnte ich keine simple Antwort erwarten. Die Feste bei D.´s Vater und der neuen Frau waren nicht so seins: viel Essen, viel Alkohol, und: viel Alkohol im Essen. Jede Sauce, jedes Dessert, alles schön vollgesoffen. Trinkfest musste man sein, wenn man mit dem neu angeheirateten Teil auf der Vaterseite mithalten wollte.

Als D. dann endlich vom Weihnachtsfest bei seiner Mum zu erzählen begann, entdeckte ich ein erstes Funkeln in seinen schokobraunen Augen. "Meine kleinen Geschwister lieben Weihnachten", schwärmte er. Seine Mutter war eine absolute Deko-Tante. Kitsch, Glitzerflitzer und Weihnachtsstimmung in Perfektion. Bei jedem Schritt und Tritt musste man im Haus darauf achten, nicht irgendeine Kristallkugel oder Dekofigur mitzureißen. Herrlich! Und herrlich gefährlich! Ein kunterbunter Weihnachtstraum, das Haus meiner zukünftigen (?!) Schwiegermutter! An diesen Adventtagen erfuhr ich auch zum ersten Mal von einer Tradition der Familie: D.´s Mama versteckte jedes Weihnachten eine grün-schimmernde Christbaumkugel in Form einer Essiggurke irgendwo im dichten Grün der Nordmanntanne. "Wer die Gurke findet, der bekommt ein extra Geschenk! Eines mehr, als alle anderen!", strahlte D., als er mir von dieser wundervollen Familientradition erzählte. "Natürlich lass ich meine kleine Schwester immer die Gurke finden", meinte er gutmütig.

Wochen später waren wir "fix zam", hatten eine wundervoll-romantische Adventszeit miteinander erlebt und nun kam der 24.Dezember immer näher. D., dieser wundervolle Mann, der immer auf alle anderen zuerst achtete und der eines der größten Herzen auf diesem Planeten innehatte, sollte an diesem Weihnachten auch ein ganz besonderes Weihnachtswunder erleben. Nachdem wir gemeinsam auf einem Konzert miteinander waren, nutzte ich die Chance und kaufte D., während er am stillen Örtchen war, ein Shirt seiner Lieblingsband. Nun befand sich ebendieses Shirt in einer kleinen Schachtel, eingepackt in Zeitungspapier, weihnachtlich verziert mit rotem Geschenksband. Ich benötigte dringend die Hilfe eines Weihnachtswichtels! Sein älterer Bruder übernahm diese Rolle und schmuggelte das Paket unter den Christbaum meines Schatzes. Die ganze Familie war eingeweiht. D.´s Eltern, seine Geschwister und natürlich auch die kleinste, die dieses Weihnachten nachgab, um D. die Gurke auf dem Baum finden zu lassen.

D. und ich feierten zuerst beide getrennt mit unseren Familien, denn erst später wollte er zu mir kommen. Dann war der zauberhafte Moment endlich gekommen. Klingeling. "DU", flüsterte er, "DU bist mein Wunder. WIE hast du es bloß geschafft, das alles für mich zu machen?"

© S-Alexandra 01.12.2019