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eins acht liebööö

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eins acht liebööö | story.one

"Scheiß Valentinstag." Whatsapp bimmelt. Drrring. Meine Kollegin und gute Freundin wurde "beschissen", betrogen, von ihrer Jugendliebe. Von dem Typen, mit dem sie ewig lange zusammen war, mit dem sie bereits einen Grund im Weinviertel gekauft hatte. Mir gings damals auch nicht gerade gut. Schon "ein Randl" Single, mit irgendjemandem hatte man zwar immer getextet, irgendwer führte einen regelmäßig zum Essen aus und hin und wieder schlief man auch nicht alleine. Butterfliegen im Bauch? Fehlanzeige. Die Schmetterlinge wollten einfach nicht auftauchen, und nebst meiner selbst sich recht bescheiden haltenden Eurphorie für diesen Kitsch-Feiertag, kam dann auch noch diese Message von K. Drrring. "Machst heut Abend was mit mir?" Pffff, ja, okay, eine gute Freundin war ich immer schon. Selbst in den beschissendsten Lagen war ich noch diejenige, die einen Schmäh reißen konnte, um die Stimmung aufzuheitern. Aus kuntergrau, dunkelbunt. Zwei Stunden später standen wir schon an der Kinokasse. Fifty Shades of Grey, what else? Als gings nicht noch masochistischer, sich an einem 14. Februar neben lauter turtelnden, aneinander hängenden und herumschleckenden Schönen und ihren Biestern in den lippenstiftroten Samtsesseln dahinzuvegetieren. Zungenakrobatik vom Feinsten war da zu erwarten. Mir wars noch eher wurscht. Aber K.? Vorm Kinosaal bat ich sie, kurz mein Wasser zu halten (ja, wir beiden einsamen Seelen hatten weder Schnaps noch Wodka dabei), als sich ein großer, langer Lulatsch unsere Kinokarten schnappte und abriss. "Hallo." Jemandem in die Augen zu sehen, den ich schon so lange kannte, hätte ich an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet. "Du bist auch mal hier?", fragte mich er, D., mein alter Schulkollege, mit dem ich mein erstes Date gehabt hatte, der zum Studieren lange weg gewesen war und nun scheinbar wieder zurück. Riss einfach so meine Kinokarte ab. Grinste mich einfach so an. Drrring. Schrieb mir einfach so am nächsten Tag: "Hey, bist du eigentlich immer so gut drauf oder war das nur die Valentinstags-Euphorie?" So kam es zu einer kleinen Reise, die genug war, um mich und meine kleine Welt zu erneuern. Monate später war so viel passiert. Und da standen wir nun, D. und ich, im WUK, dem beliebten, aber kleinen Veranstaltungsgebäude auf der Währinger Straße. Die Stürmer spielten ihre wundervollen Kitsch-Songs zum Schunkeln. Er liebte es. Ich fragte mich, ob er das ernsthaft so sah. Gut, wen kümmerte das schon, denn danach spielte mein Lieblingrapper. Lichter. Menschen. Rauch. Schweiß. Beats. "Manchmal kommt alles ganz anders als man denkt, manchmal ist dieses anders auch gut, denn manchmal bist dieses anders auch du." Ein sanfter Ruck. D. nahm meine Hand in die seine. Wir kannten uns seit vierzehn Jahren, waren Schulkollegen, hatten zusammen maturiert, verloren uns aus den Augen, trafen uns wieder. Und nun: "Ich mag dich." Sein ganzer Körper zitterte vor Nervosität. Der erste Kuss, 2017, nicht 2003.

© S-Alexandra 28.09.2019

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