Angetrunkene Philosophie

Gemütliche Runde unter Freunden, erste Erfahrungen mit Alkohol und Spaß. Jede Menge Spaß. Als einer meiner Freunde nach einem Klobesuch zurück ins Zimmer kam, war es für einen Moment totenstill. Er setzte sich zu uns, wir beäugten uns alle gegenseitig. Die neue Erfahrung des Alkohols lies uns grinsen, als plötzlich die Stille unterbrochen wurde.

„Was ist eigentlich Schamgefühl?“, eruierte der angeschwipste Junge, welcher sich so eben erleichtert hatte.

Sofort brach Gelächter aus. Wer hätte denn erwartet, mit solch einem tiefgründigen Gedanken konfrontiert zu werden, wenn man eher auf einen schlechten Witz oder ein „Schenk nochmal nach“ wartete.

Diese Gedanken blieben mir noch lange im Kopf. Hatte er auf dem Klo etwa in den Spiegel geblickt und plötzlich Platon gesichtet? Oder schämte er sich und wollte das Unkraut bei der Wurzel packen und vernichten?

Scham hat nichts mit einem Überlebensintinkt zu tun, wie es Angst tut, dachte ich mir, wieso gibt es ihn dann? Ich grübelte noch lange nach. Eigentlich grüble ich immer noch.

Keiner weiß, was in der besagten Nacht wirklich am Klo vorgefallen ist. Wichtig ist nur, dass beim nächsten peinlichen Tanzen oder schiefem Singen der Scham nicht die Oberhand gewinnen sollte, denn der sollte sich mal schämen, uns an solchen Sachen den Spaß zu verderben.

© sabi